Vermögensverwalter Andreas Enke „Anleger sollten nicht euphorisch werden“

Warnt Anleger vor Übermut: Andreas Enke, Vorstand Geneon Vermögensmanagement | © Geneon Vermögensmanagement

Warnt Anleger vor Übermut: Andreas Enke, Vorstand Geneon Vermögensmanagement Foto: Geneon Vermögensmanagement

Seit dem Tief an Heiligabend ist der Dow Jones um sage und schreibe 19 Prozent gestiegen. Historisch betrachtet braucht der US-Aktienindex für eine solche Bewegung gut zwei Jahre und nicht gerade einmal drei Monate. Der Deutsche Aktienindex Dax hat in diesem Zeitraum immerhin rund 13 Prozent zugelegt. Damit sind die großen Verluste aus dem Vorjahr ganz (USA) oder zum großen Teil (Deutschland) wieder egalisiert.

Angesichts der kräftigen Kursgewinne stellt sich die Frage, was sich seit dem vierten Quartal 2018 bis heute so gravierend geändert und die Aktienanleger wieder in Kauflaune versetzt hat. Oder gibt es vielleicht sogar Parallelen zum Vorjahr, als die Euphorie zum Jahresanfang schnell zu Ende war?

Nun sind bekanntlich Erwartungen und vor allem Überraschungen an der Börse die die Kurstreiber nach oben oder nach unten. Auch dieses Mal gab es eine unerwartete Entscheidung, die bei den Anlegern für gute Stimmung sorgte. Und wieder einmal war es die amerikanische Notenbank Fed, die positiv überraschte: Deren Chef, Jerome Powell, sagte Ende Januar, die (amerikanische) Wirtschaft könne am besten gestützt werden, in dem die Notenbank „geduldig“ vorgehe.

Damit verkündete die Fed einen fundamentalen Kurswechsel: Weg von geplanten, kontinuierlich steigenden Leitzinsen hin zu einer Politik, die Zinsanhebungen von der Konjunkturentwicklung abhängig macht. Klingt plausibel und vernünftig, war aber für die Börsianer eine positive Überraschung. Noch im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Marktteilnehmer für 2019 mit zwei oder sogar drei Leitzinserhöhungen der Fed gerechnet. Jetzt glaubt der Markt, dass es in diesem Jahr gar keine Zinsschritte mehr geben wird – und zwar sowohl in den USA als auch in Europa. Prompt stiegen die Kurse.

Zinspause eingepreist

Genau hier liegt ein Risiko: Diese Erwartung darf nicht enttäuscht werden, sonst wiederholt sich schnell das Szenario von Anfang 2018, als im Februar allein die Erwartung von steigenden Zinsen in den USA zum ersten großen Kursverfall des Jahres führte. Problematisch ist außerdem, dass die Zinspause mittlerweile in den Aktienkursen mit eingerechnet sein dürfte. Damit fehlt das Potenzial für eine weitere positive Überraschung seitens der Notenbanken.