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Andreas Enke (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Vermögensverwalter Andreas Enke Große Unterschiede bei Nachhaltigkeits-Indizes

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Auch beim SRI-Index (SRI = Socially Responsible Investing) kommen offenbar recht weit gefasste Kriterien zum Einsatz. So können Versorger bis zu 30 Prozent ihrer Energieproduktion mit dem Verfeuern von Kraftwerkskohle erzeugen. Bei beiden Indizes reicht zudem ein von MSCI vergebenes ESG-Rating von BB. Dabei handelt es sich um eine relative Bewertung, nicht um eine absolute. Ausgeschlossen werden nur die Unternehmen, die MSCI als „Nachzügler“ einstuft. Dabei handelt es sich um die jeweils schwächsten Mitglieder der jeweiligen Branchen.

Während die Nachhaltigkeits-Indizes von MSCI offensichtlich also nicht auf besonders strikten Kriterien beruhen, ist die Kommunikation von Blackrock noch deutlich intensiver zu hinterfragen. Der weltweit größte Vermögensverwalter gab Anfang des Jahres bekannt, künftig „den Klimaschutz zum Kern der Unternehmenspolitik zu machen“.

Greenwashing bei Blackrock

Die konkreten Zahlen lassen jedoch den Schluss zu, dass Blackrock bei dem Thema Nachhaltigkeit noch ganz am Anfang steht. Das Volumen der vom Vermögensverwalter gehaltenen ESG- und SRI-Fonds beläuft sich auf rund 20 Milliarden Dollar. Was erst einmal viel scheint, entpuppt sich als marginal. Denn die 20 Milliarden Dollar entsprechen gerade einmal 0,4 Prozent der von Blackrock verwalteten Indexfonds. Gleichzeitig ist der Konzern - laut Guardian - weltweit mit 87 Milliarden Dollar in Kohle-, Öl- und Gaskonzernen investiert, also mehr als viermal stärker als bei Nachhaltigkeits-Fonds.

In einem Rundschreiben schrieb Blackrock-Chef Larry Fink: "Die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit von Kohle sinkt, und mit Blick auf die Energiewende glauben wir nicht daran, dass sich weitere Investitionen langfristig ökonomisch begründen lassen." Von dieser Aussage scheint Fink allerdings selbst nicht so ganz überzeugt zu sein. Bei sieben der zehn weltweit größten Kohleproduzenten zählt der Finanzkonzern zu den zehn größten Anteilseignern, so der Guardian.

Wesentlich strikter sind dagegen die Ausschlusskriterien, die beim Global Challenges Index (GCX) zur Anwendung kommen. Der von der Börse Hannover zusammen mit der Nachhaltigkeitsrating-Agentur Oekom Research entwickelte Index schließt beispielsweise Unternehmen aus, bei denen die Förderung von Erdöl, Stein- oder Braunkohle mehr als fünf Prozent der globalen Förderung oder mehr als fünf Prozent der eigenen Umsätze ausmachen. Für die Raffination oder Verbrennung von Kohle oder Öl gelten ebenfalls fünf Prozent des Umsatzes als Obermarke. Unternehmen, die Fracking betreiben, sind sogar generell vom Anlageuniversum ausgeschlossen.

Grundsätzlich ist nichts gegen die Orientierung an Nachhaltigkeits-Indizes einzuwenden. Doch die Beantwortung der Frage, was nachhaltig ist, lässt sich nur bedingt delegieren. Fondsmanager, Vermögensverwalter und Anleger müssen schon selbst bewerten, inwieweit ein Index oder Indexfonds den eigenen ökologischen und sozialen Ansprüchen entspricht.


Über den Autor:
Andreas Enke zählt zu den Inhabern und Vorständen der Vermögensverwaltung Geneon Vermögensmanagement. Der Diplom-Kaufmann verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Beratung vermögender Privat- und Geschäftskunden bei verschiedenen Großbanken.

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