Teilnehmerinnen eines Mikrofinanz-Projektes in Äthiopien vor ihrem Kleidergeschäft: Mikrofinanzkredite sollen armen Menschen bei der Unternehmensgründung helfen Foto: imago images / Stefan Trappe

Vermögensverwalter Andreas Enke

Mikrofinanzkredite eine gute Alternative zu Anleihen

Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit scheint im negativen Bereich festgezurrt zu sein. So richtig viel dürfte sich daran in den nächsten Monaten nicht ändern. Die herrschende Rezession und die Zinsmanipulation der Europäischen Zentralbank (EZB) sollten dafür sorgen, dass die Zinsen weiter tief gedrückt bleiben.

Erst vergangene Woche hat die EZB nachgelegt und ihr Kaufprogramm für Anleihen von 750 auf 1350 Milliarden Euro aufgestockt. Die amerikanische Notenbank Fed will sogar unbegrenzt Wertpapiere kaufen. In diesem Umfeld ist mit soliden Anleihen kaum Staat zu machen. Nur Anleger, die auf der Risikoleiter hochklettern, ergattern noch halbwegs ansehnliche Zins-Niveaus. Doch High Yields sind angesichts der hohen Ausfallwahrscheinlichkeiten nicht unbedingt jedermanns Sache.

Ein bisschen Zinsen plus soziale Rendite

In diesem Umfeld kommen Mikrofinanz-Kredite als Alternative infrage. Als Investitionsvehikel bieten sich Mikrofinanzfonds an. Diese verfügen über eine finanzielle und eine soziale Komponente. In finanzieller Hinsicht bedeuten Mikrofinanzfonds eine ausgezeichnete Diversifizierung im Depot, denn sie reagieren auf ganz andere Einflüsse als klassische Aktien- oder Rentenfonds. Beispielsweise hat der KCD Mikrofinanzfonds III der Bank im Bistum Essen während des Corona-Crashs kaum nach unten reagiert.

Tatsächlich sind diese Fonds vor allem davon abhängig, ob die vergebenen Kredite bedient und zurückgezahlt werden. Und hier ist die Zahlungsmoral außerordentlich hoch: 96 bis 98 Prozent beträgt die Rückzahlungsrate der Kleinunternehmer. Das wird möglich über die engmaschige Betreuung der Kreditnehmer durch die Kundenberater sowie im Falle von Gruppenkrediten die gemeinschaftliche Haftung der Gruppe.

Aufgrund der Ausschüttungen, die über viele Jahre bei ein bis zwei Prozent per annum lagen, stellen Mikrofinanzfonds beim heutigen Zinsniveau einen tollen Ersatz zu Rentenfonds oder Anleihen dar. Dazu kommt noch die soziale Komponente. Der Kreditgeber beziehungsweise Käufer von Mikrofinanzfonds hilft Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern, sich eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

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