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Vermögensverwalter: Anleiherally sorgt für mulmiges Gefühl

Der Chefvolkswirt von Morgan Stanley, Joachim Fels, hatte schon zuvor von einer Anleihenblase gesprochen. Fundamentale Gründe für solch niedrige Zinsen und eine solche Bewertung gebe es nicht. Die Marktteilnehmer hätten irrationale Deflationsängste, die sich nicht erfüllen würden.

War der Kursanstieg bei den Staatsanleihen also nur der vorletzte Akt der weltweiten Bondblase, dem das Platzen und der laute Knall zwangsläufig folgen werden?

Anleihenrally berechtigt

Oder geht die Rally bei den Anleihekursen weiter? Auch dafür gibt es Gründe. Paul Krugman, der Nobelpreisträger für Ökonomie aus den USA, machte jüngst eine einfache Rechnung auf: Demnach müsste die amerikanische Notenbank FED die Zinsen schon bald und dann erheblich auf vier Prozent steigen lassen, um über einen Zehnjahreszeitraum Sparern in etwa die aktuelle Anleihenrendite gewährleisten zu können, die sie mit Zehnjährigen erzielen könnten. Gemessen an diesem Szenario hält Krugman die momentanen Anleiherenditen sogar noch für optimistisch hoch.
An eine schnelle Zinssteigerung glaubt Krugman ganz und gar nicht. Zwei Jahre nach Einführung der umfangreichen Hilfspakete liegt die Arbeitslosigkeit in den USA immer noch bei zehn Prozent. Wenn das Wachstum der Wirtschaft wie bisher hinter dem Wachstum der Arbeitsbevölkerung zurückbleibt, wird die Arbeitslosigkeit in den USA logischerweise weiter steigen. Für steigende Notenbankzinsen sei da, so Krugman, kein Platz.

Steigende oder fallende Anleihepreise: Manche Kommentatoren halten sich mit solchen Fragen schon gar nicht mehr auf. Sie sehen das ganze System als gefährdet an. Der Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays setzt sich für die Einführung eines Goldstandards ein. Die Geldversorgung müsse (re-)privatisiert werden.

Es regiert die Unsicherheit

Seien wir ehrlich: Welche Analysen die Zukunft am besten treffen und wer die Reaktionsmuster der politischen und wirtschaftlichen Institutionen in dieser ziemlich einmaligen historischen Konstellation am besten voraussieht, kann heute niemand auch nur einigermaßen sicher sagen. Selten gab es so viele verschiedene Meinungen, so viele plausibel klingende Argumente.

In der ökonomischen Theorie gibt es für diesen Zustand den (vom Risiko zu unterscheidenden) Begriff der Unsicherheit. In Zeiten von Unsicherheit ist der Unterschied zwischen Prophezeiung und Prognose sehr gering. Selbst Sicherheit ist in einem solchen Umfeld ein zweifelhafter Begriff.

An nichts zeigt sich das so sehr wie an Anleihen, deren Ratings in immer kürzeren Abständen über den Haufen geworfen werden müssen und bei denen nur sicher erscheint, dass jede hochgehandelte individuelle zehnjährige Anleihe über die Laufzeit einen Kursverlust erleiden wird.

Zum Autor: Bernd Hashemian ist Vorstand der Kroos Vermögensverwaltungs AG in Münster und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de. In DAS INVESTMENT.com äußern sich renommierte Vermögensverwalter in regelmäßigen Kolumnen zu aktuellen Finanz- und Kapitalanlagethemen.

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