Vermögensverwalter Claus Walter Autoaktien nicht im Rückspiegel bewerten

VW lagert Autos auf dem BER-Gelände, für die wegen neuer Prüfverfahren keine Zulassung vorliegt: Autoaktien sind dennoch vielversprechend, meint Vermögensverwalter Claus Walter | © Getty Images

VW lagert Autos auf dem BER-Gelände, für die wegen neuer Prüfverfahren keine Zulassung vorliegt: Autoaktien sind dennoch vielversprechend, meint Vermögensverwalter Claus Walter Foto: Getty Images

Der unter dem Strich wohl für die Autobauer wenig schmerzhafte Dieselkompromiss führte schon einmal zu keiner neuen Vollbremsung an der Börse.

Die Risiken sind ja schon länger bekannt und spielen in den bedeutenden Absatzmärkten, wie USA oder China, nur noch eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger für die Kurse sind die langfristigen Perspektiven, weniger der Blick in den Rückspiegel. Auch wenn es derzeit viele Schlaglöcher auf dem Weg der Automobilbranche gibt und noch nicht ganz klar ist, ob sie die Abzweigung nach links oder rechts nimmt oder geradeaus auf die E-Mobilitätstrecke durchstartet: Langfristig ist der Tank voll kräftiger Perspektiven.

Rennstrecke zum rasanten Absatz

Technologiefortschritte bei Themen wie emissionsfreie Mobilität oder autonomes Fahren, sollten die Branche eigentlich auf eine Rennstrecke für rasanten Absatz navigieren. Zumindest diejenigen, die früh genug in die richtige Richtung steuern. Noch befinden wir uns in der Aufwärmphase, das Rennen kommt erst noch.

Weltweit haben die Aktien von Autoherstellern in diesem Jahr stärker verloren als ihre jeweiligen Vergleichsindizes (Dax, S&P 500 etc.). Die in Relation zu den großen Indizes schwächere Entwicklung der Autoaktien hat viel mit der Unsicherheit zu tun, welche Antriebstechnologie sich künftig durchsetzt. Noch ist sich der Markt nicht sicher, welche Unternehmen den Umstieg dazu am besten bewältigen oder sogar auf der Strecke bleiben.

Zudem scheint das Branchenwachstum im Moment an Dynamik zu verlieren: Die Nachfrage etwa in den USA legt nicht mehr zu, sondern der Absatz dort stagniert. Insbesondere Autohersteller aus Asien scheinen sich besser zu halten als europäische und amerikanische Fahrzeugbauer. Tatsächlich haben dort manche das Steuer früher herumgerissen.
Die bereits etablierte pragmatische Hybridtechnik verschafft etwa dem japanischen Toyota-Konzern einen guten Startplatz in der Aufstellung zum Zukunftstechnologierennen.

Tatsächlich wurden zuletzt die Produktionsziele angehoben, dank wachsender Nachfrage aus China. Der gute Cash-Flow des Unternehmens wird zusätzlich dazu genutzt, ein Aktienrückkaufprogramm zu starten. Außerdem ist Toyota weniger vom Dieselskandal betroffen und hat bereits früh im Jahr erklärt, im PKW-Bereich ganz auf diese Technologie zu verzichten.

Aber Anleger sollten nicht den Fehler machen, die Startaufstellung mit dem Zieleinlauf zu verwechseln. Denn die Zukunftssorgen in der Autobranche sind auch bei deutschen Werten zum allergrößten Teil bereits in den aktuellen Kursen enthalten. Selbst wenn uns die Unsicherheit noch eine Zeit lang begleiten kann, dürften wir das Schlimmste bereits überstanden haben und es gibt Raum für positive Überraschungen.

Echte Fantasie und Gewinndynamik wird allerdings erst aufkommen, wenn die technologische Richtung entschieden ist. Denn erst dann lässt sich absehen, welcher Autobauer es vor der Konkurrenz geschafft hat, ein oder zwei Gänge höher zu schalten.

Wir sollten nicht unterschätzen, dass egal wo es technologisch letztendlich hingeht der Anspruch an Fertigungstechniken, Logistik und Vertrieb hoch sein wird.

Hier haben unsere etablierten heimischen Autobauer trotz aller Skandale und verschlafener Startvorteile auf die Dauer eines kompletten Rennens realistische Chancen auf Treppchenplätze in der Zukunft.

Autor Claus Walter ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement in Freiburg.