Vermögensverwalter: Das Klima wird rauer

Die Vermögensverwalterbranche ist im Umbruch. Sie muss in den nächsten fünf Jahren mit weniger Wachstum und geringerem Profit rechnen. Vermögensverwalter müssen sich auf neue Bedingungen einstellen, um weiterhin profitabel arbeiten zu können. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group (BCG).

Noch führt der Westen

Weltweit stieg das Privatvermögen im Jahr 2012 laut der Studie um 7,8 Prozent auf insgesamt 135,5 Billionen US-Dollar an. Dies übertraf das Wachstum von 7,3 und 3,6 Prozent in den Jahren 2010 und 2011. Als Privatvermögen fasst die BCG-Studie alles Bargeld, Aktien, Wertpapiere und Fonds von Privatanlegern zusammen. Noch verfügen Anleger in den alten Märkten über das meiste Privatvermögen (96,3 Billionen US-Dollar).

Das Wachstum der alten Märkte (Nordamerika, Westeuropa, Japan) generierte sich vor allem durch die gute Entwicklung an den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte. In Nordamerika ist das Privatvermögen um 7,8 Prozent auf 43,3 Billionen US-Dollar gewachsen, in Westeuropa um 5,2 Prozent auf 35,8 Billionen US-Dollar (Deutschland: 6,2 Prozent auf 6,7 Billionen US-Dollar) und in Japan um 2,4 Prozent auf 17,2 Billionen US-Dollar.

Die Aufholjagd hat längst begonnen

Doch die neuen Märkte holen auf. Ihre Wachstumsraten sind durchweg höher als die der alten Märkte, meist im zweistelligen Bereich. So stiegen die Privatvermögen in Asien (ohne Japan) um 13,8 Prozent und in Osteuropa und Lateinamerika um 13,2 beziehungsweise 10,5 Prozent. Der Nahe Osten und Afrika verfehlen dagegen mit lediglich 9,1 Prozent zweistellige Wachstumsraten.

Erstarken der neuen gegenüber den alten Märkten bezeichnet die Studie als das größte Problem für die Vermögensverwalter. Die Vermögensverwalter sind nun darauf angewiesen, ihre Präsenz in neuen Märkten zu vergrößern.

Die Studie besagt zudem, dass die Bedeutung des Offshore-Vermögens (Vermögen außerhalb des gesetzlichen oder steuerlichen Wohnsitzes des Anlegers) trotz 6,1 Prozent Wachstum  2012 in den nächsten Jahren abnehmen wird. Grund ist das noch größere Anwachsen des Onshore-Vermögens. Gegenwärtig beträgt der Anteil des Offshore-Vermögens, insgesamt 8,5 Billionen US-Dollar, am privaten Gesamtvermögen auf 6,3 Prozent, ein Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bis 2017 wird ein Anstieg auf 11,2 Billionen-US-Dollar prognostiziert.

Neue Regeln

Auch die zunehmende Regulierung der Finanzbranche zählen die BCG-Forscher zu den größten Veränderungen der Vermögensverwalterbranche. Die Studie geht davon aus, dass dies zu einer Steigerung der Kosten und der Komplexität führen wird. Um damit fertig zu werden, sollten Vermögensverwalter einen schlanken Geschäftsprozess anstreben und Automatisierung vorantreiben.

Zudem können sich Vermögensverwalter nicht  mehr auf traditionelle Wertversprechen verlassen, sondern müssen sich die einzelnen Segmente der Geldanlagen genauer ansehen und dabei enger mit den Kunden zusammenarbeiten. Künftig wird die Zahl der Millionäre, insbesondere in China, ansteigen. Für den Kundenkreis der sehr Wohlhabenden müssen neue, passende Strategien der Vermögensanlage ausgearbeitet werden.

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