Vermögensverwalter warnt „Die Anleger sind zu sorgenfrei“

Marktstand in der iranischen Hauptstadt Teheran. Angesichts der sich verschärfenden US-Sanktionen gegen den Ölföderstaat könnte China Probleme bei der Energieversorgung bekommen, schätzt Vermögensverwalter Mark-Uwe Falkenhain. | © Getty Images

Marktstand in der iranischen Hauptstadt Teheran. Angesichts der sich verschärfenden US-Sanktionen gegen den Ölföderstaat könnte China Probleme bei der Energieversorgung bekommen, schätzt Vermögensverwalter Mark-Uwe Falkenhain. Foto: Getty Images

So sorglos wie derzeit waren die Anleger schon lange nicht mehr. Abzulesen ist das am VDax New. Der deutsche Volatilitätsindex notiert nur noch bei 14 Punkten. Zum Vergleich: Das Tief der zurückliegenden zehn Jahre liegt bei rund elf Zählern, also gerade einmal drei Punkte tiefer. Das Zehn-Jahres-Hoch beläuft sich dagegen auf 50,7 Zähler. Der Abstand beläuft sich somit auf mehr fast 37 Punkte. Auch der Blick auf den Chart zeigt, dass es mit dem VDax New kaum viel tiefer gehen sollte, dass aber spürbar höhere Notierungen durchaus wahrscheinlich sind.

Mark-Uwe Falkenhain

Diese Ausführungen gelten für den amerikanischen Volatilitätsindex VIX weitgehend analog. Gründe für zunehmende Volatilitäten gibt es zuhauf. Denn bei fast allen Krisenherden setzen die Anleger derzeit auf einen positiven Ausgang. Das ist jedoch keineswegs gesichert. So herrscht unter den Marktteilnehmen überwiegend Einigkeit, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China schon bald einvernehmlich gelöst wird.

Peking feiert dieses Jahr zum 70sten Mal den Gründungstag der Volksrepublik. Gleichzeitig befinden sich die Vereinigten Staaten immer mehr im Wahlkampfmodus. So gesehen käme beiden Seiten eine Beilegung des Streits gelegen. Eine isolierte Betrachtung des Konflikts greift jedoch zu kurz.

Denn derzeit erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf den Iran, was auch Folgen für China hat. Ziel der USA ist es, die Öl-Exporte zu stoppen und so dem Regime in Teheran die wichtigste Einnahmequelle abzudrehen. Zwar wurde bereits vor rund einem halben Jahr das Embargo verhängt. Davon gibt es allerdings Ausnahmen, die am 2. Mai auslaufen und die Trump nicht verlängern will. Davon ist unter anderem China betroffen.

Die Volksrepublik deckt bislang mehr als sechs Prozent seines Ölbedarfs mit Einfuhren aus dem Iran. Angesichts dieser Mengen dürfte es nicht einfach werden, alternative Zulieferer zu finden. Auf jeden Fall könnten die Preise weiter steigen. Der Energierohstoff der Sorte Brent hat sich bereits allein seit Jahresanfang um rund ein Drittel verteuert. Das dürften sich die Chinesen, auf die 20 Prozent der weltweiten Ölimporte entfallen, kaum gefallen lassen. Vor diesem Hintergrund scheint es fraglich, ob eine gütliche Einigung im Handelsstreit der USA mit China tatsächlich so sicher ist, wie es die Aktienanleger unterstellen.

Strafzölle für die EU

Noch fraglicher dürfte sein, dass die Vereinigten Staaten und die EU ihren Handelskonflikt beilegen. Vergangene Woche reagierte Trump erbost auf schwache Zahlen von Harley-Davidson und drohte der EU mit Vergeltung. In Reaktion auf Strafzölle der Vereinigten Staaten hatten die Europäer unter anderem für den Motorad-Hersteller höhere Importabgaben verhängt. Trump kommentierte das auf Twitter mit den Worten: „So unfair gegenüber den USA.“