Vermögensverwalter findet „Italienische Wirtschaft läuft gar nicht so schlecht“

Michael Reuss ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München. | © Huber, Reuss & Kollegen

Michael Reuss ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung in München. Foto: Huber, Reuss & Kollegen

Im Vorfeld der Verhandlungen zu einem Koalitionsvertrag hatten sich beide Parteien sehr deutlich positioniert. Die beiden eurokritischen Parteien hatten zum einen Szenarien für einen möglichen Euro-Ausstieg skizziert, zum anderen die Frage behandelt, wie sich ein Schuldenerlass des Landes bei einem Verbleib im Euroraum bewerkstelligen ließe. Beide Fragen haben ein und dasselbe Ziel: die stetig angestiegenen Schulden zu minimieren.

Italiens Schulden belaufen sich auf 2,3 Billionen Euro. Das entspricht etwa einem Viertel aller Staatsschulden des Währungsraums. Bezogen auf die Wirtschaftsleistung sind dies 130 Prozent des italienischen Bruttoinlandprodukts (BIP). Dennoch ist Italiens Zinsbelastung keineswegs besonders hoch – im Gegenteil. Dank der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt sie sich auf dem Niveau von 1980. Seinerzeit war Italien zwar nur mit 60 Prozent des BIP verschuldet, allerdings notierten die Zinsen deutlich höher. Zwischen 1990 und 2000 (also in den zehn Jahren vor der Euro-Einführung) musste das Land im Schnitt zehn Prozent seiner Wirtschaftsleistung für den Schuldendienst ausgeben. Im Vergleich zu heute war das mehr als das Doppelte – und Italien ging nicht Pleite.

Die italienische Wirtschaft läuft gar nicht so schlecht. Mit mehr als zwei Prozent des BIP hat Italien zuletzt einen außenwirtschaftlichen Überschuss erzielt und damit unter Beweis gestellt, dass das Land wettbewerbsfähig ist. Dementsprechend benötigt Italien keine potenzielle Abwertung seiner Währung durch einen Wechsel vom Euro zur Lira 2.0. Die italienische Wirtschaft braucht andere Impulse. Seit Jahrzehnten wurden beispielsweise keine Arbeitsmarktstrukturen oder die schwache Produktivität der Wirtschaft in Angriff genommen.

So sind denn auch die jüngsten Äußerungen des neuen italienischen Finanzministers zu verstehen, der die Schulden im Inland senken und nun doch nicht aus dem Euro aussteigen möchte. Ganz im Gegenteil. Die neue Regierung der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone will das Wachstum durch Investitionen und Strukturreformen ankurbeln und nicht mit einer erneuten Erhöhung der Schulden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die neue italienische Regierung der Problematik durchaus bewusst ist und die ersten Schritte in die richtige Richtung zeigen. Es bleibt allerdings abzuwarten, welche Überraschungen die neuen Regierungsvertreter in Rom noch haben.