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Passanten mit Atemschutz vor der New Yorker Börse am 18. März 2020: Holger Schmitz ist überzeugt, dass die Finanzmärkte ihre aktuellen Verluste schnell wieder aufholen können.  | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

Vermögensverwalter Holger Schmitz zum Corona-Virus

„Jetzt bieten sich Kaufgelegenheiten“

Holger Schmitz

Die vergangenen Tage waren nicht schön für Besitzer von Aktien. Die fortschreitende Ausbreitung des Corona-Virus setzte die Märkte massiv unter Druck und zudem brach auch noch der Ölpreis überraschend ein. Die Kursanzeigen an den weltweiten Börsen waren tiefrot.

Doch klar ist auch: Reale Verluste entstehen Anlegern erst dann, wenn sie ihre Positionen verkaufen. Solange sie dies jedoch nicht tun, verringert sich lediglich der für ihren Depotbestand ausgewiesene Wert. Und panikbasierte Verkäufe haben sich noch nie als gute Lösung erwiesen.

Der Kurseinbruch ist durch Hysterie bedingt

Ich bin davon überzeugt, dass das Ausmaß der jüngsten Kursturbulenzen zu großen Teilen das Resultat übertriebener und ungerechtfertigter Hysterie rund um das Corona-Virus ist. Wieder einmal wird an den Börsen die kurzfristige Situation deutlich überbewertet, die langfristige Perspektive dagegen unterbewertet. Daher dürfte letztendlich die Angst vor dem Virus sogar mehr wirtschaftlichen Schaden anrichten als die Krankheit selber. Hinzu kommt an der Börse der computergestützte Handel, der durch automatisch generierte Verkaufsorders innerhalb kurzer Zeit einen Dominoeffekt fallender Kurse auslösen kann.

Spätestens wenn sich die aktuelle Unruhe legt – etwa weil ein Impfstoff oder Gegenmittel gegen das Virus gefunden wird oder sich zumindest die Ausbreitungsrate verringert – dürfte eine rationale Sichtweise an die Aktienmärkte sowie in die Gesellschaft zurückkehren. Auch viele jetzt aufgeschobene Investitionen und Konsumausgaben werden dann voraussichtlich nachgeholt, was die Unternehmen wieder beflügelt – und damit auch ihre Aktienkurse.

Timing-Versuche sind unbrauchbar

Wer sich jetzt jedoch von Panik leiten lässt und kurzfristig Aktien verkauft, steht vor gleich zwei Problemen: Erstens realisiert er die bereits eingetretenen Wertrückgänge. Und zweitens kann niemand realistisch vorhersagen, wann die Märkte wieder nach oben drehen. Da Bärenmärkte zumeist von eher kurzer Dauer sind, Aufschwünge sich jedoch oft über viele Jahre ziehen, riskieren solche Anleger, mitansehen zu müssen, wie die von ihnen verkauften Aktien ihre Verluste nicht nur wieder aufholen, sondern weitere Zuwächse realisieren. Daher führen Timing-Versuche in aller Regel nur dazu, langfristig die Gewinne zu reduzieren oder sogar Verluste zu erleiden.

Aktien sind und bleiben die beste Anlageform

Dies veranschaulicht die nachfolgende Grafik, die den Kursverlauf des MSCI World Net Return seit dem Jahr 2010 abbildet. Dies ist ein sehr breit gefasster Index, der weltweite Aktien beinhaltet und somit von sämtlichen global eingetretenen Ereignissen beeinflusst wird – positiven wie auch negativen.

Entwicklung des MSCI World Net Return in Euro (01.01.2010 = 100): Börsen sind langfristig betrachtet krisenbeständig

Selbst nach dem jüngsten Kurseinbruch stehen für Anleger über die vergangenen etwas mehr als 10 Jahre noch immer erhebliche Kurszuwächse von über 230 Prozent zu Buche. Eine solche Wertsteigerung bei gleichzeitig sehr breiter Risikostreuung, höchster Liquidität und jederzeitiger Handelbarkeit konnte keine andere Anlageklasse erzielen.

Noch wichtiger ist jedoch: Alle politischen, wirtschaftlichen oder sonstigen globalen wie regionalen Krisen (oben sind exemplarisch einige Epidemien eingetragen, auch wenn diese natürlich nicht an das Ausmaß der aktuellen Corona-Virus-Pandemie heranreichten) konnten die Börsen stets überwinden, um anschließend auf neue Höchstwerte zu steigen. Und aktuell deutet nichts darauf hin, dass es nicht auch dieses Mal wieder auf genau dasselbe Ergebnis für diejenigen Anleger hinauslaufen wird, die jetzt die nötige Ruhe und Weitsicht bewahren.

Jetzt bieten sich Kaufgelegenheiten

Die aktuell wieder günstigen Kurse bieten aus meiner Sicht interessante (Zu)Kaufgelegenheit. Die Lage erinnert an den 19. Oktober 1987, als der Dow Jones am „Schwarzen Montag“ von über 2.200 Punkten auf rund 1.700 Zähler abrutschte – die minus 23 Prozent waren der stärkste jemals verzeichnete Tagesverlust. Obwohl viele Börsenkommentatoren und Crashpropheten im Oktober 1987 einen langjährigen Bärenmarkt mit nachfolgender Depression heraufbeschworen, der sogar noch den großen Kurseinbruch von 1929 bis 1933 und die sich anschließende Weltwirtschaftskrise übertreffen sollte, konnte der Dow Jones bereits 15 Monate später wieder sein Kursniveau von vor dem Crash erreichen. Heute steht der Index bei knapp 20.000 Punkten und damit bei mehr als dem Zehnfachen des damaligen Tiefststandes.

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