Vermögensverwalter Hubert Thaler, Vorstand von Topvermögen: „Viele Anleger sehen sich in der Rolle des Hasen.

Vermögensverwalter Hubert Thaler, Vorstand von Topvermögen: „Viele Anleger sehen sich in der Rolle des Hasen."

Vermögensverwalter Hubert Thaler

„Statt Bullen oder Bären sehe ich nur Hasen“

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Der kraftstrotzende Bulle steht an der Börse für die Optimisten, die mit steigenden Kursen rechnen. Der Bär symbolisiert dagegen die Pessimisten. Derzeit erinnert das Börsengeschehen allerdings mehr an das Märchen vom Hasen und dem Igel. Viele Anleger sehen sich dabei in der Rolle des Hasen. Sie laufen dem Markt hinterher und kommen dennoch nicht vom Fleck. Sie haben die Kurse der großen Indizes und damit die vieler Blue-Chips in den vergangenen Monaten bereits mehrere Male an derselben Stelle gesehen.

Es ist ein hoppelnder Markt

Die volkswirtschaftlichen Daten verhalten sich ähnlich. Der viel beschworene nachhaltige Aufschwung, er will einfach nicht kommen. Kaum sehen die Arbeitsmarktzahlen in den USA etwas besser aus und die US-Notenbanker versichern, dass nun die Zinswende kommt, können sich Anleger sicher sein, dass die nächste Veröffentlichung volkswirtschaftlicher Daten eine komplette Enttäuschung wird.

Der Grund ist leider kein Märchen, sondern bittere Realität. Viele Industrieländer, darunter auch die USA, stehen vor einer einschneidenden demographischen Wende. Die Baby-Boomer-Generation, die bevölkerungsreichste Kohorte, stellt sich langsam aber sicher auf den Ruhestand ein. Es wird weniger gearbeitet, vielleicht nur vier Tage die Woche, und für jeden neuen Ruheständler kommt nur ein halber Berufseinsteiger nach. Dies vermindert das für Volkswirte so wichtige Potentialwachstum. Auch das geringe Produktivitätswachstum lässt sich zumindest in Teilen damit plausibel erklären.

Die volkswirtschaftlichen Daten müssen also in einem neuen Licht betrachtet werden. Die alten Modelle kommen mit diesem neuen Phänomen nicht klar.

Nun stehen uns im Sommer tatsächlich noch einige für die Börse brisante Nachrichten ins Haus (wie Brexit, Öl-Preis, Richtungsentscheidung in der US-Wahl), in denen es opportun ist, die Strategie des Hasen zu befolgen und Deckung zu suchen, wenn es knallt. Aber spätestens im Winter sollten Anleger wieder stärker auf Buy-and-Hold setzen, denn derzeit unterschätzen die volkswirtschaftlichen Modelle die Dynamik der Wirtschaft in den USA. Die US-Notenbank weiß es. Und die Notenbankiers werden es den Marktteilnehmern schon deutlich zu machen wissen.

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