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Vermögensverwalter im Gespräch

„An Aktien führt 2020 kein Weg vorbei“

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DAS INVESTMENT: Ende 2018 haben Konjunktursorgen für eine heftige Aktienkorrektur gesorgt. In diesem Jahr drängen sie die Notenbanken zu einer Lockerung ihrer Geldpolitik und treiben so die Kurse nach oben. Wie passt das zusammen?

Marco Herrmann ist seit 1992 für Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der Fiduka.

Marco Herrmann: Die Reaktion im vierten Quartal 2018 war übertrieben. Die Kurse hatten Erholungspotenzial und der Schwenk in der Geldpolitik sorgte für zusätzlichen Rückenwind. Ursprünglich plante die Fed drei Zinserhöhungen, stattdessen hat sie bislang drei Mal gesenkt.

Michael Wittek: Die expansive Geldpolitik sorgt für Anlagenotstand im Bereich der Anleihen. Daher werden bestimmte Aktien als Anleiheersatz gekauft. Zudem hofft die Börse durch den Eingriff der Notenbanken auf einen Konjunkturaufschwung beziehungsweise das Ausbleiben einer Rezession.

Uwe Günther: Die erneute Lockerungsrunde der Geldpolitik dürfte allerdings nicht mehr als eine temporäre Stabilisierung bewirken. Natürlich wird sich das enteilte Aktienmarktniveau, gerade in den USA, tendenziell den stagnierenden realen Gewinnen anpassen.

Wie groß ist denn noch der Spielraum von Fed, EZB & Co, weitere Stimuli zu liefern? Rechnen Sie mit sogenannten unkonventionellen Maßnahmen?

Günther: Die EZB wird alles tun, um einen Systemkollaps zu verhindern – nicht mehr als Gestalter, sondern nur noch als Feuerwehr. Wirkliche Wachstumsimpulse werden nicht mehr gesetzt werden können, dafür ist der aktuelle Zyklus zu reif, die globale Verschuldung zu hoch und das Zinsniveau zu niedrig.

Michael Wittek ist Leiter Portfoliomanagement bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung.

Herrmann: An der letzten Amtshandlung von Mario Draghi konnte man gut erkennen, dass die EZB immer weniger geldpolitischen Spielraum hat. Nur marginal wurde der Einlagenzinssatz um 0,1 Punkte auf minus 0,5 Prozent gesenkt und ein kleines neues Anleihekaufprogramm aufgelegt. Weitere Zinssenkungen erwarten wir unter normalen Umständen nicht mehr, da die Negativzinsen wahrscheinlich mehr Nachteile als Vorteile bringen. Die Fed hat rund 1,5 Prozent Spielraum, ist aber derzeit in Wartestellung.

Wittek: Wir sehen bei der EZB durchaus noch Spielraum. Sie kann jenseits von Zinssenkungen das Anleihekaufprogramm ausweiten. Zudem lässt sich das Programm auf bisher nicht erfasste Anleihesegmente ausdehnen.

Zinsen zählen zu den wichtigsten Treibern von Aktienkursen. Was erwarten Sie hier für das kommende Jahr?

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer von Berlin Portfolio Management (BPM).

Herrmann: Im Basisszenario – keine Eskalation im Handelskonflikt, Stabilisierung der Weltwirtschaft – erwarten wir keine neuen Maßnahmen der Notenbanken. Die Renditen könnten also wieder leicht steigen. Alles hängt von US-Präsident Donald Trump und seiner Handelspolitik ab. Daher kann natürlich auch das Gegenteil eintreten.

Günther: Die Renditen für Staatsanleihen der ersten Reihe werden fallen, gute Corporate Bonds werden stagnieren bis tendenziell steigen, High-Yield (Junk) Bond Renditen könnten explodieren.

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