Marcel de Gavarelli ist Investment Manager der Laureus Privat Finanz.

Marcel de Gavarelli ist Investment Manager der Laureus Privat Finanz.

Vermögensverwalter-Kolumne

„Schwarzmalerei der vorigen Wochen scheint vergessen“

So schnell kann es gehen: Bis vor wenigen Wochen sprach man am Markt noch von einem „Crash“ und einem drohenden Bärenmarkt. Einige Marktmeinungen sahen den Dax bereits wieder bei 7.500 Punkten. Ein düsteres Szenario jagte das nächste. Heute kommt die Sonne langsam hinter den Wolken hervor, die Schwarzmalerei der letzten Wochen scheint vergessen und der Dax ist von der 10.000-Punkte-Marke nicht mehr so weit entfernt wie zuletzt befürchtet.

Mehr Vernunft, weniger Panik


Woher kommt der Stimmungswechsel? Was war passiert? Auf der Faktenseite wenig. Nach wie vor sind die Prognosen für die Konjunktur positiv. Sicherlich wachsen die Bäume nicht in den Himmel und so ist beispielsweise der Konjunkturzyklus in den USA recht weit fortgeschritten. Dennoch sollte die Weltwirtschaft auch in diesem Jahr um zirka 3 Prozent wachsen. War das in den vergangenen Wochen anders, als man in den Medien noch Vergleiche zum Crash-Jahr 2008 herstellte und im Prinzip eine globale Rezession ausgerufen wurde? Nein.

Was sich in erster Linie verändert hat, ist das Verhalten der Marktteilnehmer: Sie fokussieren sich wieder vermehrt auf die fundamentalen Daten – und weniger auf panisches Umschichten. Viele Marktteilnehmer realisieren zudem, dass das „Sorgenkind“ China nun möglicherweise doch nicht so schwach ist wie befürchtet. Die chinesische Regierung, als auch die dortige Notenbank, haben sich klar positioniert und der heimischen Wirtschaft Unterstützung zugesagt.

Warum die EZB-Hilfen nicht ausreichen

Das einzig wirklich „Neue“ war in den letzten Wochen das in ihrem Ausmaß überraschende Ergebnis der EZB-Sitzung: So lockerte die Europäische Zentralbank ein weiteres Mal ihre Geldpolitik – Zinsen wurden auf nahezu Null gesenkt, ein neues Programm zur Finanzierung von Banken aufgelegt sowie das Anleiheaufkaufprogramm ausgeweitet (80 Milliarden Euro anstatt von 60 Milliarden Euro – zudem werden ab Juli 2016 Unternehmensanleihen gekauft).

Die Erholung am Markt allein darauf zurückzuführen wäre allerdings zu kurz gedacht. Die Märkte haben sich an die Geldspritzen der Zentralbank gewöhnt und somit bleibt die Befürchtung, dass EZB-Chef Mario Draghi sein Pulver weitgehend verschossen hat – schon am Tag der Entscheidung ging es beispielsweise mit den Aktienkursen wieder bergab. Natürlich sorgt die EZB-Politik für ein positives Umfeld – wichtig ist jedoch, dass dieses Umfeld von der Politik für Strukturreformen genutzt wird. Dies würde das Wirtschaftswachstum weiter stärken, und genau darauf besinnen sich die Marktteilnehmer.

Von dem Maßnahmenpaket der EZB konnten insbesondere die Anleihemärkte profitieren und die Risikoprämien sind deutlich zurückgegangen. Und auch Aktien haben wieder Potenzial, sollte – im Falle des Dax – die 10.000er Marke nachhaltig überwunden werden. Wichtig ist: Es hat ein Umdenken stattgefunden und Anleger schauen wieder vermehrt auf die Fakten, die eine positivere Sprache sprechen. Es gibt noch Luft nach oben.

Über den Autor:

Marcel de Gavarelli ist Investment Manager der Laureus AG Privat Finanz, einem Tochterunternehmen der Genossenschaftsbank Sparda-Bank West. Das Finanzdienstleistungsinstitut aus Düsseldorf hat sich auf die individuelle und ganzheitliche Beratung vermögender Kunden spezialisiert.

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