Manuel Peiffer, Relationshipmanager bei GVS Financial Solutions

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Vermögensverwalter Manuel Peiffer

„US-Aktien sind überdurchschnittlich teuer“

Seit Jahresbeginn legte der amerikanische Aktienindex Dow Jones um fünf, der breiter gefasste S&P500 legte sogar um sechs Prozent zu. Dies ist durchaus bemerkenswert, denn der MSCI World hat in den letzten Monaten keine Rendite gebracht  und DAX liegt seit Jahresstart  3,5 Prozent im Minus. Somit sind US-Aktien deutlich besser gelaufen, als der deutsche Leitindex. Sind Investoren denn jetzt noch gut beraten, amerikanische Aktien zu kaufen?

Schaut man nüchtern auf die gängigen Bewertungskennzahlen, muss man feststellen, dass US-Aktien aktuell sehr teuer sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P500 hat historische Ausmaße erreicht und liegt bei über 18. Der langfristige Mittelwert liegt bei gut 12. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt aktuell 2,8, was ebenfalls sehr sportlich ist. Besonders interessant ist aber das Kurs-Umsatz-Verhältnis, da dieser Wert nicht durch die milliardenschweren Aktienrückkäufe der letzten Jahre „geschönt“ werden kann. Das aktuelle KUV liegt bei beängstigenden 1,92 und somit auf dem Niveau wie Anfang des Jahrtausends, als die Internetblase platzte und die Aktienkurse massiv einbrachen.

Ein Grund für die Börsenrally der letzten Monate waren auch die oben erwähnten Aktienrückkäufe. Für mehr als 550 Milliarden Dollar haben amerikanische Firmen in den vergangenen zwölf Monaten eigene Aktien zurückgekauft - eine in der amerikanischen Börsengeschichte nie dagewesene Höhe. Der Technologiekonzern Apple beispielsweise kaufte zuletzt pro Jahr Aktien mit einem Wert in zweistelliger Milliardenhöhe zurück, der Softwarekonzern Microsoft kommt auf ähnliche Zahlen. Trotz der hohen Bewertung und des damit verbundenen Rückschlagpotentials gibt es auch Gründe weiterhin amerikanische Aktien zu kaufen.

„Ein zweischneidiges Schwert“

Die amerikanische Wirtschaft erzielt im Vergleich zu Europa ordentliche Wachstumsraten, rund 2,5 Prozent werden für dieses Jahr erwartet. Dies ist für die Börse aber ein zweischneidiges Schwert.  Denn durch eine Erhöhung der Leitzinsen durch die amerikanische Notenbank Fed würde eine wichtige Unterstützung für den Aktienmarkt wegfallen: nämlich das billige Geld der Notenbanken, welches vor allem Großanleger in den Aktienmarkt investieren. Die US-Wahlen im November dürften auch eine wichtige Rolle an den Finanzmärkten spielen.

Sollte Trump gewinnen, dürften die Konsumaktien wohl zulegen. Denn eine seiner Kernforderungen ist es, dass US-Unternehmen wieder im Land produzieren. Verlagern Großkonzerne ihre Produktion wieder nach Amerika, dürfte das steigende Löhne im Land zur Folge haben. US-Amerikaner würden somit auch wieder mehr konsumieren. Letzten Freitag wurde jedoch das Ergebnis des Bruttoinlandsproduktes für das erste Halbjahr veröffentlich. Dieses fiel mit 1,2% ernüchternd aus, denn etwa doppelt so viel wurde erwartet.

Es gab sicher schon bessere Zeitpunkte, um amerikanische Aktien zu kaufen. Denn Anleger könnten schon bald enttäuscht werden, beispielsweise wenn das Wirtschaftswachstum sich als nachhaltig schwächer erweisen sollte als gedacht und die Unternehmensgewinne wie Eis in der Sonne dahinschmelzen.

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