Vermögensverwalter Mark-Uwe Falkenhain China gefährdet Aktienaufschwung

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Es gibt weitere Punkte, die am offiziellen Wirtschaftswachstum Chinas Zweifel wecken. So ist die Genauigkeit der Prognosen auffällig. Die offiziellen Konjunkturzahlen entsprechen immer bis auf nur wenige Zehntel Prozentpunkte den Schätzungen der Partei. Zudem entwickeln sie sich langfristig betrachtet auffallend gleichmäßig in eine Richtung. Seit 2012 ist das Wachstum immer nur um 0,1 bis maximal 0,5 Prozentpunkte rückläufig gewesen. Konjunkturelle Schwankungen wie im Westen oder Japan gibt es in China angeblich nicht.

Fakten sprechen gegen Statistiken

Die offiziellen Daten lassen sich auch mit dem gesunden Menschenverstand hinterfragen. Im laufenden Jahr soll die chinesische Wirtschaft nach den offiziellen Schätzungen um sechs bis 6,5 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr belief sich das Plus auf 6,6 Prozent. Im ersten Halbjahr 2019 sind aber die Verkäufe von Autos um sage und schreibe 16 Prozent eingebrochen. Zwar waren sie bereits im Vorjahr rückläufig. 2018 war das Minus aber mit sechs Prozent sehr viel geringer ausgefallen. Trotzdem soll das Wirtschaftswachstum 2019 nur um 0,1 bis 0,6 Prozentpunkte geringer ausfallen als 2018. Die Zahlen passen einfach nicht zusammen.

Aufgrund dieser Zweifel stellen Konjunkturforscher den offiziellen Wachstums-Statistiken regelmäßig alternative Daten gegenüber wie beispielsweise den Stromverbrauch. Diese Vergleiche deuten meistens darauf hin, dass die Statistiken aus Peking wahrscheinlich zu hoch ausfallen.

Klar ist: Wenn China tatsächlich nicht um sechs, sondern vielleicht nur um vier Prozent wächst, wirkt sich das auch spürbar auf die Weltwirtschaft aus. Die Folge dürften unter anderem niedrigere Unternehmensgewinne sein. Dann könnte auch die Interpretation der niedrigen Zinsen wieder drehen. Noch feiern sie die Anleger als Motor für die Aktienrally. Vielleicht interpretieren sie sie aber schon bald als Schwächezeichen der Konjunktur. Zur Erinnerung: Als die Fed nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2016 mit ihrem Zinserhöhungs-Zyklus begann, wurde das als Zeichen der konjunkturellen Robustheit der USA gewertet. Vielleicht folgen die Anleger schon bald wieder dieser Logik – diesmal nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Sicherheitsnetz einziehen

Das alles muss nicht, kann aber so kommen. Falls Aktien wie im vierten Quartal 2018, als plötzlich Rezessionsängste herrschten, wieder einmal heftig korrigieren, werden sie schnell nicht mehr als „alternativlos“ klassifiziert. Angesichts der Rekordniveaus in den USA und der auch in Europa stark gestiegenen Aktienkurse wird die Luft dünner und der Markt damit anfälliger für auch größere Korrekturen, falls sich die Triebfedern Zins und Unternehmensgewinne nicht wie erwartet entwickeln.

Autor Mark-Uwe Falkenhain ist Vorstand beim Vermögensverwalter Geneon.

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