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US-Präsident Donald Trump bei einem Staatsbesuch in Peking: Der Republikaner will neue Strafzölle auf US-Importe aus China | © Getty Images

Vermögensverwalter Markus Schön

Strafzölle als Weckruf für die Weltkonjunktur

Mit der Ankündigung höherer Strafzinsen gegen China am Ende dieser Woche wird US-Präsident Donald Trump der Börsenweisheit „sell in May and go away“ neues Leben einhauchen. Dies überraschend nur vordergründig, weil Trump ja als eine Messgröße des Erfolgs seiner Präsidentschaft die Börsenentwicklung genannt hatte. Anders als in Deutschland hat der marktbreite S&P 500 in der letzten Woche ein Allzeithoch erreicht.

Der Börsenerfolg gibt dem US-Präsidenten also recht. Vor allem hat er sich taktisch geschickt positioniert. Die US-Wirtschaft wächst stärker als erwartet, die weltweite Konjunkturstimmung wird wieder etwas besser und der US-Arbeitsmarkt boomt. Umgekehrt führen diese Faktoren dazu, dass er mit dem Wunsch nach deutlichen Zinssenkungen bei der US-Notenbank auf Granit beißt. Zudem rückt für den Dauerwahlkämpfer Trump nun die Wiederwahl 2020 in den Fokus.

Also muss er der chinesischen Taktik einer Politik der ruhigen Hand in den Handelsgesprächen etwas entgegensetzen. Dies zum jetzigen Zeitpunkt mit einer drastischen Erhöhung der Strafzölle in kurzer Zeit zu tun, ist taktisch äußerst geschickt. Trump zeigt sein „dealmaker-Mentalität“ und seine Fähigkeit, manche Entwicklungen schneller als andere zu sehen.

Letztlich kann er nur gewinnen: Entweder treffen die USA und China eine Übereinkunft. Dann wird Trump dies auf Ankündigung höherer Strafzölle an diesem Wochenende zurückführen. Wenn man jedoch keine Vereinbarung zeitnah trifft, wird der US-Präsident betonen, wie wichtig eine harte Haltung gegenüber China ist. Dann muss sich Europa auch auf höhere Strafzölle – vermutlich kurz vor der Europawahl – einstellen.

Eine möglicherweise nachlassende wirtschaftliche Dynamik wird Trump dann auf China, gegebenenfalls auch Europa, aber vor allem auf die mangelnde Flexibilität der US-Notenbank schieben. Er und seine USA brauchen dringend niedrige Zinsen, sonst frisst die Verschuldung die größte Volkswirtschaft der Welt auf. Trump sorgt mindestens perspektivisch weiter für billiges Geld und hebt so die US-Aktienmärkte auf immer neue Allzeithochs. Dieser Erfolg ist wie Trumps Politik insgesamt ein Luftschloss: Unternehmenswert und Gewinn haben in seiner Welt nichts mehr miteinander zu tun.
 
 

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