Max Schott, Geschäftsführer der Sand & Schott Vermögensverwaltung aus Stuttgart

Max Schott, Geschäftsführer der Sand & Schott Vermögensverwaltung aus Stuttgart

Vermögensverwalter Max Schott

Kaufen, wenn die Kanonen donnern? Lieber nicht!

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Die ersten Wochen im Jahr 2016 waren von ungewöhnlich hohen Kursschwankungen an den Aktienbörsen gekennzeichnet. Da fällt es vielen Anlegern nicht leicht, der Nervosität zu trotzen und inmitten der Turbulenzen einzusteigen. Andere warten auf eine deutlichere Schwächephase, wieder andere investieren ratierlich. Doch welches ist die lohnendste Einstiegsstrategie?

Die Vermögensverwaltung Sand und Schott ist dieser Frage auf den Grund gegangen, da die Antwort jeden Anleger betrifft. Anhand historischer Daten für den deutschen und den US-Aktienmarkt wurde untersucht, mit welcher Einstiegs-Strategie sich am ehesten eine langfristig positive Rendite erreichen lässt.

Das überraschende Ergebnis: Die geringste durchschnittliche Rendite und die meisten Verlustmonate verzeichnet der Anleger, der dem beliebten Motto „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ folgt und nach einem 20-prozentigen Rückschlag einsteigt. Diese Strategie brachte eine durchschnittliche Rendite von 5,15 Prozent für rollierende Zehnjahresperioden im Aktienindex DAX und überdies die meisten Verlustmonate im Vergleich mit anderen Strategien.

Eine solche Rendite klingt zunächst einmal nicht schlecht, aber andere Einstiegsstrategien brachten in rollierenden zehn-Jahres-Perioden eine fast doppelt so hohe Rendite: Denn wer das Kapital sofort investiert hat, also unabhängig davon, ob die Börsen gerade steigen oder fallen, erreichte im Durchschnitt 9,09 Prozent Rendite und musste deutlich weniger Verlustmonate verkraften.

Sehr interessant ist auch folgendes Ergebnis: Da die Vorstellung, alles auf einmal zu investieren, vielen Anleger als zu riskant erscheint, wurde auch eine Strategie getestet, den Anlagebetrag über zehn Monate ratierlich zu investieren. Dies brachte im Rückblick eine nur leicht geringere durchschnittliche Jahresrendite von 8,45 Prozent und nur eine etwas höhere Zahl an Verlustmonaten.

Diese Daten gelten für ein Investment in den DAX, gerechnet für zehnjährige Halteperioden seit 1977. Eine ähnliche Berechnung für den US-Aktienmarkt, gemessen am S&P-500-Index seit 1970, kam zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Die Indexvergleiche wurden im Übrigen gewählt, um vergleichbare Ergebnisse unabhängig von einer Alpha-Komponente zu erhalten.



Erklären lässt sich dies dadurch, dass dem Anleger, der auf einen Rückschlag wartet, Kursgewinne in steigenden Marktphasen entgehen. Diese Kursgewinne hat andererseits der Anleger, der gleich investiert hat, schon als Sicherheitspolster auf seinem Konto. Ein zweiter Punkt: Kurse sinken nach einem ersten Rückschlag oft noch viel weiter als erwartet. Der Einstieg der Anleger erfolgt in Rückschlagsphasen damit häufig zu früh – sie greifen ins fallende Messer.

Ein weiterer Aspekt, der in der systematischen Untersuchung nicht zum Tragen kommt, ist die psychologische Komponente: Selbst wer für sich definiert, nach großen Rückschlägen einzusteigen, zögert aller Erfahrung dann doch, wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist. Die schlechte Marktstimmung führt dann oft dazu, dass gar nicht investiert wird. Die tatsächliche Rendite einer „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“-Strategie dürfte also sogar noch niedriger liegen als der errechnete Wert.

Fazit: Die Spekulation auf günstige Einstiegskurse ist zwar emotional nachvollziehbar, führt aber in die Falle
. Dagegen führt die sofortige Anlage des Kapitals oder über einen systematischen Sparplan zu deutlich besseren Ergebnissen. Daher ist auf längere Sicht die Partizipation an der Marktrendite als viel wichtiger einzuschätzen, als die Spekulation auf den „besten Einstiegszeitpunkt“.

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