Die Deutsche Börse

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Vermögensverwalter mit eigenen Investmentfonds: Peitsche der Transparenz

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„Gute Unterhaltung“ wünscht Sportmoderator Jörg Wontorra den „lieben Privatanlegern“ auf der Homepage des Dachfonds 11 Champions. Die Fußballprofis Oliver Neuville, Thomas Hitzlsperger und Matthias Scherz sollen einen Teil ihres Vermögens in den Fonds investiert haben. Dessen Portfolio gleicht einer Mannschaftsaufstellung: Geldmarkt im Tor, Carmignac im Mittelfeld, Aktienfonds als Sturmspitze; 11 Fonds sollt ihr sein.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe von DAS INVESTMENT (November 2009). 
 
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Promis für den Glamour, Fußball fürs Verständnis und Steuervorteile als Kaufanreiz: Zur Auflage der Fonds Ende 2007 haben die Rostocker Vermögensberater Christian und Michael Daudert und ihre beiden Assistenztrainer von der Hamburger Berenberg Bank alles richtig gemacht. Fast zwei Jahre später spielt der Champion mit einem Fondsvolumen von knapp 5 Millionen Euro jedoch immer noch in der Verbandsliga. Ob sich der Fonds trotz vergleichsweise guter Entwicklung wirtschaftlich trägt und künftige Korrekturen übersteht, ist fraglich.

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Bis Ende 2008 haben etliche Vermögensverwalter erstmals eigene Fonds aufgelegt. Die auf Private Label Fonds spezialisierte Gesellschaft Universal Investment begleitete allein im vergangenen Jahr über 70 Debütanten an den Fondsmarkt. Der wichtigste Grund für die Fondsschwemme war die Abgeltungssteuer: „Etwa ein Drittel meiner Anleger wären vielleicht abgewandert, wenn ich keine vermögensverwaltenden Fonds angeboten hätte“, erklärt Markus Zschaber. Der Kölner zählt mit einem verwalteten Kapital von 3 Milliarden Euro zu den größten Vermögensverwaltungen; Stiftungen, Kölner Lokalprominenz und Schlagersänger Howard Carpendale lassen sich von ihm beraten. „Wir gehören nicht in den Sumpf der Anbieter, die vor der Größenproblematik stehen und sich kapitalisieren müssen“, erklärt Zschaber. Er biete „keine Massendienstleistung“. Zugang haben nur eigene Kunden, der Mindesteinsatz beträgt 500.000 Euro.

Fondsionäre: Neuste Informationen sind vom Februar 2008, keine Portfoliozusammenstellung und eine miese Performance

Allerdings ist die Fondsgröße heute längst nicht mehr das entscheidende Kriterium. Die Kosten für Dienstleistungen rund um die Fondsauflage sind im Wettbewerb der Private-Label-Gesellschaften gefallen. Universal Investment übernimmt sogar die Auflagekosten, die schnell im fünfstelligen Bereich liegen.

„Für Vermögensverwalter mit einem regionalen Fokus ist die Fondsgröße kein Kriterium“, erklärt Universal-Sprecher Bernd Obergfell. Sie seien nah am Kunden und pflegten intensive Beziehung. Wer jedoch auf dem breiten Markt Fuß fassen will, hat es schwieriger. „Da müssen wir mitunter auch mal als Werbetexter für Messe-Flyer arbeiten“, sagt Thomas Reinhold, der für die Privatbank Hauck & Aufhäuser (H&A) Vermögensverwalter betreut. Hat ein Fonds jedoch das von H&A geforderte „Alleinstellungsmerkmal“, investiert das Bankhaus auch eigenes Kapital, wie jüngst in den Europa-Fonds VMP Euro Blue Systematic, der nach einem quantitativen System verwaltet wird und im Krisenjahr 2008 den Euro Stoxx 50 um mehr als 12 Prozentpunkte geschlagen hat.

Stimmen jedoch weder Volumen noch Ergebnis, wird es eng: Als Vermögensverwalter mussten die heutigen Fondsmanager ihr Können oder ihre Pannen nur einmal jährlich auf dem Depotauszug oder im vertraulichen Kundengespräch rechtfertigen. Mit einem eigenen Fonds hingegen wird die Leistung täglich messbarund öffentlich. „Als Fondsmanager bekommen sie die Peitsche der Transparenz zu spüren“, sagt Markus Hill, Berater für Fondsgesellschaften.

Mit einer abenteuerlichen Rendite von 12 Prozent jährlich werben etwa „Die Fondsionäre“. „Vom Fondsionär zum Millionär“, heißt es bei Tino Friebe und Ilona Flesner aus Baden-Württemberg. Das passende Produkt, der Fondsionär Global UI, ein Dachfonds, ist seit Oktober 2007 auf dem Markt. Die aktuellsten Fondsinformationen datieren jedoch auf den 11. Februar 2008; eine Zusammensetzung des Portfolios wird nicht veröffentlicht. Das ist in diesem Fall auch besser so. Mit einem deutlichen Überhang an Short-Indexfonds gelang den beiden Visionären ein kleines Kunststück: Seit Jahresanfang ging es für den Fonds rund 10 Prozent ins Minus.

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