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Vermögensverwalter meint
Die Rückkehr zur normalen Allokation ist wieder möglich
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Vermögensverwalter meint Die Rückkehr zur normalen Allokation ist wieder möglich

Times Square in New York
Times Square in New York: Die Zinsen bleiben trotz mäßiger Wirtschaftsdaten auf hohem Niveau | Foto: Imago Images / Levine-Roberts

Nachdem die Inflation in den Vereinigten Staaten im Juni unerwartet stark auf drei Prozent zurückgegangen ist, dürfte die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen nur noch marginal oder gar nicht mehr erhöhen. Im kommenden Jahr sind dann sogar Zinssenkungen denkbar. 

Der Arbeitsmarkt in den USA zeigt sich derzeit noch weitgehend stabil – im Juni entstanden außerhalb der Landwirtschaft 209.000 neue Stellen, die Prognose hatte allerdings bei 225.000 gelegen. Im Mai dieses Jahres kamen revidiert nur 306.000 neue Jobs hinzu, statt der ursprünglich gemeldeten 339.000. Der amerikanische Arbeitsmarkt scheint an Dynamik zu verlieren. Tritt dies tatsächlich ein, dürfte der Konsum unter Druck geraten, der hauptverantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung der USA ist. Es ist also durchaus wieder mit etwas leichteren Zinsen zu rechnen.

 

 

 

Jahrelang haben die Anleger ihre Aktienquote im Portfolio erhöht, weil die Renditen am Rentenmarkt sich permanent abschwächten und teils negativ notierten. Dann kam es im vergangenen Jahr zur Trendwende: Aktien und Anleihen brachen gleichermaßen ein.

Neue Rahmenbedingungen auf dem Kapitalmarkt

Das Umfeld an den Finanzmärkten hat sich spürbar geändert. Am Rentenmarkt lassen sich wieder Renditen im Bereich von vier Prozent erzielen, sowohl mit gut gerateten Unternehmensanleihen als auch mit US-Treasuries. Gleichzeitig bewegen sich die Bewertungen an der Wall Street auf einem vergleichsweise hohen Niveau, was das Potenzial von Aktien auf weiter steigende Kurse begrenzt. Gemessen an den Gewinnrenditen verdienen Anleger am Aktienmarkt derzeit kaum mehr als am Rentenmarkt. Dafür gehen sie spürbar höhere Risiken als bei amerikanischen Staatsanleihen ein.

Das bedeutet natürlich nicht, dass ein ausgewogenes Portfolio ohne Aktien auskäme. Aber eine Absenkung der Quote auf 60 oder 50 Prozent macht angesichts der geänderten Rahmenbedingungen durchaus Sinn. Anleger sollten aber nicht mehr den gesamten Markt zum Beispiel per ETF halten oder kaufen. Denn der jüngste Aufschwung des S&P 500 basiert im Wesentlichen auf den Kursanstiegen weniger großer und hoch gewichteter Technologiekonzerne. Der breite Markt hat zuletzt eher enttäuscht.

In diesem Umfeld verspricht ein gezieltes Stockpicking größeren Erfolg. Interessant sind derzeit vor allem Aktien aus den Bereichen Healthcare, Industrie und starke Marken aus dem Basiskonsum, die über Nachholpotenzial verfügen. Defensive Dividendentitel kommen ebenfalls infrage. Von den großen amerikanischen Techwerten ist dagegen zumindest kurzfristig eher abzuraten, auch wenn bei vielen die langfristigen Perspektiven nach wie vor gut sind.

Zwar neigen die Börsianer bekanntlich zu Übertreibungen nach oben wie nach unten. Dadurch könnten die Big-Techs noch eine Zeit lang ihren Schwung mitnehmen und noch weiter steigen. Doch eigentlich sind sie schon jetzt (zu) hoch bewertet.

Anleihen wieder sicherer Hafen

Gleichzeitig bieten sich jetzt wieder Anleihen als sicherer Hafen an, die die Volatilität in einem Portfolio spürbar senken können. Hier fallen die Risiken nach dem erfolgten Zinsanstieg einfach geringer als bei Aktien aus. Dabei scheinen auf Dollar lautende Bonds weniger aussichtsreich als beispielsweise als in Euro denominierte Anleihen. 

Zinsspread dürfte abschmelzen. Denn die Fed ist beim Zinszyklus weiter fortgeschritten als die EZB. Während bei den amerikanischen Leitzinsen wahrscheinlich nicht mehr viel Luft nach oben ist, könnten die europäischen Währungshüter noch längere Zeit ihre Geldpolitik verschärfen. Der Abstand zwischen den Leitzinsen dürfte sich ab dem kommenden Jahr wieder verringern, was für einen weiter leichteren Dollar spricht.

 

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Die Entwicklung dürfte unterstützt werden, wenn die USA gegen Ende des Jahres in eine Rezession rutschen sollten, was durchaus möglich ist. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist dagegen – so traurig das sein mag – bereits in den Wechselkursen eingepreist.

Anlegern, denen das so alles etwas zu langweilig ist und konkret ausgedrückt nicht ausreichend hohe Renditechancen bietet, können Anleihen aus Schwellenländern beimischen. Diese High-Yield-Bonds profitieren erfahrungsgemäß von einem schwächeren Dollar.

Ende von New Normal

Aus Sicht der Anleger sind diese Entwicklungen durchaus positiv zu bewerten. Portfolien können wieder deutlich besser als noch vor wenigen Quartalen austariert werden und dennoch nennenswerte Renditen liefern. Die beiden ehemaligen Pimco-Manager Bill Gros und Mohamed El-Erian scheinen sich dieses Mal geirrt zu haben. Sie stellten nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 die These auf, dass die Finanzwelt nicht mehr zu dem Zustand zurückkehren werde, in dem sie vor der Krise gewesen war. Genau das zeichnet sich jedoch derzeit ab.

 

 

Über den Autor: 

Oliver Zastrow
Oliver Zastrow. © Qcoon Gruppe

 

Oliver Zastrow arbeitet als Geschäftsführer bei der Qcoon Gruppe in Hamburg. Davor war er bei der Hamburger Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und der UBS Europe tätig.

 

 

 

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