Frikadellen von Beyond Meat: Fleischersatz liegt im Trend.  | © imago images / Sven Simon Foto: imago images / Sven Simon

Vermögensverwalter Oliver Zastrow

Diese Chancen bietet die Agrarwende

Tesla und Beyond Meat sind zwei anschauliche Beispiele dafür, wie Newcomer etablierte Branchen aufmischen können. Der lange Zeit belächelte E-Auto-Pionier aus Kalifornien kommt derzeit auf eine Markkapitalisierung von mehr als 290 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert von VW, Daimler und BMW summiert sich zusammen nicht einmal auf 170 Milliarden Euro.

Im Ernährungsbereich sieht es ganz ähnlich aus. Die Börse bewertet Beyond Meat, den amerikanischen Hersteller vegetarischer Hamburger-Buletten, mit sieben Milliarden Euro. Das Unternehmen treibt die etablierten Lebensmittelkonzerne regelrecht vor sich her. Ähnliche Produkte wie die von Beyond Meat gibt es mittlerweile in fast jedem Supermarkt - selbst bei den Discountern wie Aldi und Lidl.

Natürlich ist der Run auf pflanzliches Fleisch oder Wurstprodukte nicht nur Unternehmen wie Beyond Meat geschuldet. In Deutschland verzichten bereits 6,5 Millionen Menschen ganz oder zumindest weitgehend auf den Verzehr von Rind, Huhn oder Schwein. Dafür gibt es mehrere Gründe. Die einen Verbraucher halten das dafür notwendige Schlachten von Tieren für unethisch. Die anderen Konsumenten meinen, eine vegetarische oder vegane Ernährung sei gesünder. Schließlich verderben Seuchen wie zuletzt die Schweinepest den Appetit auf Schnitzel und Co.

So oder so: Ohne eine weltweite Agrarwende wird es nicht gehen. Derzeit leben circa 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde. Und schon heute stößt die Landwirtschaft an ihre Grenzen. Rund ein Drittel aller Flächen der Erde wird für die Fleischproduktion genutzt - entweder direkt zur Tierhaltung oder für die Produktion von Futter.

90 Prozent des weltweit produzierten Sojas geht für Futtermittel drauf. Wälder werden abgefackelt, um noch weitere Anbauflächen zu schaffen. Gleichzeitig ist die Fleischproduktion für ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Im Jahr 2050 soll die weltweite Bevölkerung nach der Projektion der Vereinten Nationen auf 9,7 Milliarden Menschen angestiegen sein. Um diese ausreichend zu ernähren, ist eine Agrarwende unumgänglich.

Völlig neue Produktionsmethoden

Die Herstellung neuer Lebensmittel ist weitaus weniger trivial als es auf den ersten Blick scheint. Lange Zeit fielen pflanzliche Fleischersatzprodukte wie Sojawürstchen bei Geschmacktests durch. Doch mittlerweile gibt es eine Vielzahl an pflanzlichen Buletten, Hackfleisch oder Wurst, die tierischen Produkten auf Augenhöhe begegnen. Beispiele wie Beyond Meat oder auch Rügenwalder Mühle zeigen jedoch, dass es viel Entwicklungszeit und Know-how bedarf, um neue und leckere Lebensmittel zu entwickeln. Und es benötigt jede Menge Geld für Forschung und Entwicklung.

Die großen Lebensmittelkonzerne sind längst auf den Trend aufgesprungen. Nestlé macht mit seiner Marke Gourmet Garden mit vegetarischen Angeboten Beyond Meat Konkurrenz und hat sich von seiner Wurstmarke Hertha getrennt. Davor hatte bereits Unilever die Salami-Marke Bifi abgestoßen.

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