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Vermögensverwalter Ottmar Wolf „Im aktuellen Umfeld empfehlen wir Stillhaltestrategien“

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Überschaubares Zinsänderungsrisiko

In den USA ist das Zinsniveau bereits deutlich angestiegen, wobei die Veränderungen lange nicht so stark ausgefallen sind, wie dies von den dortigen Währungshütern vor zwei Jahren erwartet worden war. Auch unter ihrem neuen Chef Jerome Powell will die Fed ihr Zinserhöhungstempo nicht verschärfen. Nach der Anhebung Mitte März um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent signalisieren die Notenbanker zwei weitere Anhebungen im laufenden Jahr.

Die Europäische Zentralbank wird ihr QE-Programm wohl im Herbst beenden. Die Nettokäufe europäischer Staats- und Unternehmensanleihen dürften aufhören, wobei freiwerdende Mittel aus endfälligen Wertpapieren und Zinskupons weiter investiert werden sollen. Zu tatsächlichen Zinsschritten durch die EZB dürfte es erst nach dem Ende von Draghis Amtszeit (31. Oktober 2019) kommen.

Mehr gefühlte Unsicherheit

Insgesamt ist damit von der US-amerikanischen Zinspolitik mit leichtem Gegenwind zu rechnen. Von der EZB geht dagegen noch eine leichte Unterstützung für die heimischen Aktienmärkte aus, von deutlichem Rückenwind lässt sich aber keinesfalls mehr sprechen. Alles in allem dürften von der Zinsseite also eher neutrale Signale für Unternehmensanteile zu erwarten sein.

Wie bereits dargestellt haben die Risiken sowie die (gefühlte) Unsicherheit für die weltweiten Aktienmärkte in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Zumindest ein Teil der Stimmungseintrübung spiegelt sich bereits in den jüngsten Kursrückgängen wider. Während Investoren aufgrund des positiven Gewinntrends bei den Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren darauf konditioniert waren, bereits bei kleinen Rückschlägen weiteres Geld zu investieren („Buy the dip“), ist diese Vorgehensweise aktuell nicht zu beobachten. So hat sich der Dax von seinem Höchststand Mitte Januar bei knapp 13.600 Punkten inzwischen deutlich entfernt. Insofern stellt sich die Frage, welcher „Dip“ in Anbetracht des veränderten Umfelds derzeit gekauft werden soll. Stellen bereits die jetzigen minus zwölf Prozent eine gute Aufstockungsgelegenheit dar, sind minus 20 Prozent angemessen, oder ist es sogar ein noch tieferer Wert?

Stillhaltestrategien statt klassischer Aktieninvestments  

Eine exakte Aussage kann hier vorab selbstverständlich niemand tätigen. Fakt ist aber, dass für ertragsorientiere Anleger an einer signifikanten Aktienquote langfristig kein Weg vorbeiführt. Hinsichtlich der Art und Weise, wie diese am besten darzustellen ist, gibt es gleichwohl unterschiedliche Ansichten. Da wir trotz der aufgezeigten Risiken und Belastungsfaktoren (noch) nicht von einem Paradigmenwechsel an den Märkten ausgehen, halten wir hier einen Schwenk von klassischen Aktieninvestments hin zu sogenannten Stillhaltestrategien für ein probates Mittel.

Dabei werden über die Terminbörse Eurex Puts auf Aktien oder Indizes verkauft und dafür entsprechende Prämien vereinnahmt. Bei wieder steigenden oder zumindest stagnierenden Aktienkursen werden diese vollständig als Ertrag vereinnahmt. Sollte es dagegen noch etwas weiter nach unten gehen, können je nach gewähltem Strikelevel zwar Verluste entstehen, diese fallen aufgrund der eingestrichenen Prämien aber geringer als bei einem Direktinvestment in den Basiswert aus. Gleichzeitig stocken Anleger auf diese Weise – ähnlich wie beim Setzen eines Kauflimits – ihren Aktienanteil am Depotvolumen bei noch etwas niedrigeren Aktien- oder Indexständen automatisch auf.

Es findet somit ein klar antizyklisches Investitionsverhalten statt, was naturgemäß überproportionale Renditechancen verspricht. Die Frage nach dem zu erwartenden „Dip“ relativiert sich damit erheblich.

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