Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller „Warum Gold nach wie vor in jedes diversifizierte Vermögen gehört“

Goldbarren. Das Edelmetall ist nach wie vor elementarer Bestandteil in jedem geschickt gestreuten Portfolio, findet Ralf Borgsmüller von der PSM Vermögensverwaltung. | © Degussa Goldhandel

Goldbarren. Das Edelmetall ist nach wie vor elementarer Bestandteil in jedem geschickt gestreuten Portfolio, findet Ralf Borgsmüller von der PSM Vermögensverwaltung. Foto: Degussa Goldhandel

Ralf Borgsmüller

Im Herbst 2018 lauten die Schlagzeilen in den Medien und in den Analysen „Gold hat keinen Wert mehr“, „Die Zeit des Goldes als Krisenschutz ist vorbei“ und „Banken verzichten auf Gold für die Kundendepots“ et cetera. Auch an den Terminmärkten ist die Stimmung für Gold schlecht und die Hedgefonds spekulieren mit Kontrakten in Rekordhöhe auf einen fallenden Goldpreis. Warum sollte man für den Goldpreis zukünftig optimistisch sein?

Gold und Weltverschuldung

Die totale Überschuldung des Finanzsystems hat sich seit der Krise 2007/2008 noch verschärft. Die Gesamtschulden der Welt (Staats-, Privat-, Unternehmens- und Finanzschulden) sind nach der Krise 2008 bis heute um weitere circa 80 Billionen US-Dollar auf einen aktuellen Höchststand von etwa 250 Billionen US-Dollar gestiegen.

Besonders stark war die Schuldenexplosion in China in den letzten 10 Jahren. So stiegen die Gesamtschulden Chinas seit 2008 bis heute um circa 25 Billionen US-Dollar auf aktuell circa 32 Billionen US-Dollar. In den USA verdoppelte sich in dieser Zeit alleine die Staatsverschuldung von 10 auf 21 Billionen Dollar. Japan trägt mit seinen auf über 250 Prozent des japanischen Bruttosozialprodukts (BSP) gestiegenen Staatsschulden ebenfalls stark zum weltweiten Schuldenanstieg bei. Auch in Europa hat sich die Gesamtschuldensituation seit der Krise 2008 nicht verbessert.

Bei dieser riesigen Weltverschuldung stehen die Notenbanken mit dem Rücken zur Wand. Bei jeder neuen Finanzkrise müssen sie die Notenpressen immer schneller und in größerem Umfang in Gang setzten. Inflationieren oder Bankrott gehen ist das Schicksal der Weltwirtschaft. Die Notenbanken werden sich aus politischen Gründen für die Inflationierung entscheiden müssen. Deshalb wird auch die US-amerikanische Notenbank Fed ihren derzeitigen Zinserhöhungskurs und die erhebliche Schrumpfung ihrer Bilanz seit Ende 2017 nicht lange fortführen können. Sonst drohen Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft und die US-Börsen. Es gibt keinen geordneten Weg zurück mehr aus der Welt des billigen Geldes, von dem die wichtigsten Volkswirtschaften und Finanzmärkte inzwischen abhängen.

Gold als Währungsersatz

Bei einer weltweit bekannten Goldmenge von 170.000 Tonnen ist alles Gold derzeit circa 6000 Milliarden US-Dollar wert, was weniger als einem vierzigstel der aktuellen Weltverschuldung entspricht. Die jährlich weltweit neu gemachten Schulden sind etwa gleich groß wie der Wert allen Goldes. Sobald den Anlegern klar wird, dass den Notenbanken dauerhaft nur noch der inflationäre Ausweg aus der Verschuldungskrise bleibt, wird es, bei dem geringen Marktwert des Goldes im Vergleich zu den Schulden, einen Run auf das Gold geben. Der Wert allen Goldes hat derzeit einen Anteil von weniger als 3 Prozent am Gesamtvermögen der Welt im Vergleich zu etwa 10 Prozent auf dem letzten Goldpreishöhepunkt Anfang 1980. Es besteht somit noch erhebliches Aufholpotenzial für die nächsten Jahre.