Schwäne auf einem Golfplatz in Südafrika. In der Finanzindustrie ist Foto: Getty Images

Heikle Situation

Ein schwarzer Schwan namens High Yield

Rolf Ehlhardt

Die Bestände an Unternehmensanleihen sind in den letzten Jahren auf etwa zwei Billionen US-Dollar explodiert. Die Schuldenpapiere wurden von Hedgefonds, Pensionsfonds und Stiftungen erworben. Als Beimischung fanden sie dann den Weg in Dachfonds, Geldmarktfonds und in gemischte Fonds. Und natürlich in neue High-Yield-Fonds sowie dafür kreierte ETFs, die sich in der Euphorie wie Karnickel vermehrt haben. Das imminente Risiko dabei ist, dass etwa die Hälfte aller Investmentgrade-Anleihen nur ein BBB-Rating besitzen. Oft haben diese Schuldner kein Anlage-Rating. Viele andere Unternehmen mit Investment-Rating arbeiten nur knapp oberhalb der Profitabilitätsgrenze.

Sollte es nun wegen Zinserhöhungen zu Zahlungsausfällen oder aufgrund einer Wirtschaftsschwäche zu einer Bonitätsherabstufung kommen, müssen Fonds und ETFs diese Bestände verkaufen, besonders dann, wenn Anleger aus Angst vor einem Totalverlust Fonds- und ETF-Anteile zurückgeben. Alle erkennen plötzlich, wie risikoreich ihr Geld angelegt ist und wollen ihre Schrottanlagen verkaufen.

Was passiert, wenn alle die Papiere loswerden  wollen

Aber an wen? Wenn keine Probleme auftreten, funktioniert der Markt. Wird er zum Verkäufermarkt, implodieren die Kurse. Die Illusion, dass die Papiere jederzeit verkauft werden können, platzt. Wer kauft in diesem Szenario schon Anleihen, die morgen wertlos sein können? Es werden auch nicht mehr nur die Werte verkauft, die verkauft werden müssten (Bonitätsverschlechterung), sondern die Anleihen, die, wenn auch zu deutlich niedrigerem Preis, noch verkauft werden können (bessere Bonität).

Nicht auszudenken, welche Situation entsteht, wenn zusätzlich die Kreditgeber in Schwierigkeiten geraten, also Probleme des Marktes für High-Yield-Anleihen auf andere Märkte überspringen. Wer heute Besitzer solcher Anlagen ist, sollte über eine Beendigung des Engagements nachdenken, zumal die Renditen des letzten Jahres meist in keinem Verhältnis zum Risiko standen. Aber auf alle Fälle muss auf eine erträgliche Größenordnung reduziert werden. Wer den Teufelskreis nicht erkennt, sollte die Geschichte vom Subprime-Hypothekenmarkt 2008 noch einmal nachlesen.

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