Unabhängige Vermögensverwalter haben ihre individuellen Vergleichsbenchmarks 2025 nach Abzug ihrer Verwaltungsgebühren nur knapp erreicht. Das zeigt der Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026 (TMVV), eine gemeinsame Studie des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) und des Münchner Wealth-Tech-Unternehmens Qplix, für die 55.801 reale Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern ausgewertet wurden. Bereits 2023 und 2024 hatte der TMVV Portfoliotrends deutscher Vermögensverwalter sowie die beliebtesten Einzelwerte in Vermögensverwalter-Depots offengelegt.
Konservative Depots erzielten 2025 im Median 4,74 Prozent, ausgewogene Depots 6,48 Prozent und chancenorientierte Depots 8,03 Prozent. Bei ausgewogenen Mandaten lag die Rendite mit einem Vorsprung von gerade einmal 0,03 Prozentpunkten praktisch auf Höhe der Benchmark (6,45 Prozent). Bei chancenorientierten Depots reichte es nicht einmal dafür: Mit 8,03 Prozent gegenüber einer Benchmark von 8,58 Prozent blieben die Verwalter 0,55 Prozentpunkte darunter. Bei konservativen Depots haben die Vermögensverwalter laut Studie die Benchmark „exakt getroffen“.
Wie die Benchmark berechnet wird
Auf Nachfrage von DAS INVESTMENT erläuterte IVA-Vorstand Andreas Ritter die Methodik: Die Studie vergleiche nicht ganze Risikoklassen mit einer starren Standardbenchmark. Stattdessen werde für jedes Depot eine individuelle passive Vergleichsbenchmark konstruiert, deren Gewichtung sich am jeweils berechneten risikobehafteten Depotanteil orientiere, zusammengesetzt aus vier Bausteinen: Aktien global ohne Euroland, Aktien Euroland, Euro-Renten und Euro-Geldmarkt. So lasse sich die Leistung des Vermögensverwalters gegenüber einem Vergleichsportfolio einordnen, das dem individuellen Risikoprofil des jeweiligen Depots entspricht.
Entscheidend für die Einordnung der Zahlen: Laut Ritter sind alle im Trendmonitor genannten Performancedaten nach Kosten ausgewiesen, also einschließlich des Abzugs der Vermögensverwaltungsgebühren.
Diese Einordnung relativiert die Ausgangslage, macht die Bilanz aber nicht deutlich besser: Da die Benchmark bereits individuell auf Aktienquote, Regionenmix und Risikoprofil jedes Depots zugeschnitten ist, hätte man von aktiv gemanagten, gebührenpflichtigen Mandaten einen spürbaren Mehrwert gegenüber diesem maßgeschneiderten Vergleichsportfolio erwarten können. Stattdessen bewegt sich das Ergebnis 2025 im Rahmen einer Nullrunde: kein messbarer Mehrwert bei ausgewogenen Depots, ein leichtes Minus bei chancenorientierten. Uns selbst das ist noch eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: 2024 lagen die Depots noch brutto bis zu 7 Prozentpunkte hinter ihrer jeweiligen Benchmark zurück.
Direktanlagen und ETFs als eigentlicher Renditehebel
Der eigentliche Renditetreiber lag der Studie zufolge nicht in überlegener aktiver Steuerung, sondern schlicht in der Wahl kosteneffizienter Bausteine: Portfolios mit Einzelaktien, Direktanleihen und kosteneffizienten ETFs erzielten im Schnitt 1,74 Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr als Depots, die vollständig auf aktiv gemanagte Publikumsfonds setzten.
Komplexe Retailprodukte wie Zertifikatsstrukturen oder Dachfonds mit Schachtelgebühren schmälerten die Rendite dagegen um 2,01 Prozentpunkte. Auch häufiges Umschichten kostete Rendite: Depots mit mehr als 50 Prozent Volumenumschichtung pro Jahr verzeichneten ein Minus von 1,03 Prozentpunkten.
Aktive Steuerung in Krisenjahren
Auch die Annahme einer besonders erfolgreichen aktiven Steuerung in Krisenjahren relativiert sich bei genauerem Hinsehen: In den turbulenten Jahren 2020, 2022 und 2025 übertrafen der Studie zufolge jeweils rund 40 Prozent der chancenorientierten Mandate ihre aktienlastige Benchmark – ein laut Studienautoren höherer Anteil als in ruhigeren Marktphasen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch: Selbst in den Jahren, in denen aktive Steuerung ihren größten Mehrwert beweisen soll, verfehlten rund 60 Prozent der Mandate ihre eigene Benchmark oder lagen mit ihr gleichauf. Einen Vergleichswert für ruhigere Marktphasen nennt die Studie nicht, sodass sich die Größenordnung des behaupteten Vorteils nicht einordnen lässt.
Die Studie selbst weist zudem auf erhebliche Streuung innerhalb der Risikoklassen hin: Bei chancenorientierten Depots erzielte das stärkste Viertel 2025 eine Rendite von 11,3 Prozent, das schwächste Viertel kam auf nur 4,9 Prozent – ein fast dreifacher Renditeunterschied bei vergleichbarem Risikoniveau.
Methodik
Für den Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026 wurden 55.801 reale Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern ausgewertet, gleichgewichtet unabhängig vom Depotvolumen. Der Median des Depotvolumens lag 2025 bei rund 178.000 Euro, der Durchschnitt bei 546.000 Euro; rund 10,9 Prozent der Portfolios übersteigen ein Volumen von einer Million Euro.

