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Ethan Brown, Vorstand von Beyond Meat: Die meisten Hersteller veganer Lebensmittel sind in privater Hand. | © Getty Images

Vermögensverwalter schwärmt Veganen Unternehmen gehört die Zukunft

Vegane Burger sind gut für Gesundheit und Umwelt. Bei der Herstellung werden im Vergleich zu einem Fleisch-Burger 99 Prozent weniger Land benötigt. Beim Wasserverbrauch sind es 90 Prozent und bei der Energie immerhin noch 70 Prozent. Und der CO2-Ausstoß liegt um rund 90 Prozent niedriger. Außerdem bestehen die pflanzlichen Konkurrenz-Produkte aus weniger Fett und mehr Ballaststoffen. Kein Wunder, dass immer mehr Verbraucher bei den Patties aus Erbsen, Soja und anderen pflanzlichen Zutaten zugreifen.

Wie groß die Nachfrage nach den Veggie-Burgern ist, hat die amerikanische Firma Beyond Meat unter Beweis gestellt. Deren Patties waren bei Verkaufsaktionen von Lidl innerhalb von Minuten ausverkauft. Wie früher beim Verkaufsstart von neuen iPhones bildeten sich auch jetzt vor den Discountern Schlangen von Menschen, die als erste die Beyond-Meat-Burger ausprobieren wollten. Und dies, obwohl ein Doppelpack der Patties mit 4,99 Euro eher im Hochpreis-Segment angesiedelt ist. Mittlerweile haben Lidl, aber auch Konkurrent Aldi preiswertere Veggie-Burger im Angebot.

Während Tech-Werte wie Uber oder Lyft bei ihren Börsengängen eher floppten, handelt es sich bei Beyond Meat um eine echte Kursrakete. Der Ausgabepreis belief sich im Frühsommer auf 25 US-Dollar. Beim Handelsschluss des ersten Börsentags notierte die Aktie schon bei 65,75 US-Dollar. Mittlerweile kostet der Wert rund 155 US-Dollar. Damit beläuft sich die Marktkapitalisierung auf rund 9,4 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Der Umsatz des veganen Burger-Pioniers stieg zwar im zweiten Quartal um 287 Prozent, belief sich dennoch absolut betrachtet „nur“ auf 67,3 Millionen US-Dollar. Solche Bewertungs-Relationen kennt man eigentlich nur vom E-Auto-Vorreiter Tesla.

Bei dem Erfolg von Beyond Meat dürfte es sich nicht um eine Eintagsfliege handeln. Die Wahlerfolge der Grünen, das Umschwenken der ehemaligen Volksparteien beim Thema Klimaschutz oder die Fridays for Future-Demonstrationen zeigen, dass das Thema Umwelt in der breiten Bevölkerung angekommen ist. Immer mehr Menschen stören sich daran, dass die massenhafte Viehzucht mit ihren Unmengen an ausgestoßenem Methan zu den verheerendsten Klimakillern überhaupt zählt. Schließlich ist Methan 25-mal klimaschädlicher als Kohlendioxid. Die Welternährungsorganisation FAO meint, dass die Viehhaltung das Klima mehr belastet als der Transportsektor.

Schon seit Langem steigt die Zahl der Menschen, die sich aus gesundheitlichen, ethischen oder ökologischen Gründen vegetarisch oder sogar vegan ernähren. Der große Nachfrage-Schub für pflanzliche Proteine kommt jedoch durch die Flexitarier. Sie möchten nicht völlig auf Fleisch verzichten, weichen aber immer häufiger auf pflanzliche Produkte aus.

Der Veggie-Trend hat mehrere Gründe. Neben dem deutlich gestiegenen Umweltbewusstsein spielen sicherlich spürbare Produktverbesserungen eine entscheidende Rolle. Früher gab es als Alternativen vor allem Tofu und Sojawürstchen. Heute ist die Produktpalette deutlich breiter und vor allem schmackhafter, so dass auch Fleischesser keine Entzugserscheinungen bekommen, wenn sie pflanzliche Burger und Co. konsumieren.

Soziale Medien verstärken Trend zu veganen Lebensmitteln

Gleichzeitig sorgen Facebook und andere soziale Medien dafür, dass zunehmend mehr Verbraucher mit den Problemen der Massentierhaltung konfrontiert werden. Sieht man die entsprechenden Bilder, vergeht schnell der Appetit auf einen Rindfleisch-Burger. Debatten um Tierethik rücken zu Recht in den Vordergrund.

Den Trend zu pflanzlichen Proteinen spiegeln anschaulich die Wandlung und der Erfolg von Rügenwalder Mühle wider. Der deutsche Wursthersteller erzielt schon fast 40 Prozent seines Umsatzes mit vegetarischen Produkten - Tendenz steigend. Unternehmens-Chef Godo Röben fast die Logik - weg vom Tier und hin zu der Pflanze - wie folgt zusammen: „Warum sollte man den ganzen Weizen und das Soja noch durchs Schwein durchdrücken, wenn man aus den Produkten schon direkt Fleisch und Wurst machen kann?“

Vor allem amerikanische Veggie-Produzenten sehen sich selbst weniger als Lebensmittelhersteller, sondern als Technologie-Unternehmen. Auf der Tech-Messe Consumer Electronic Show (CES) wurden die Patties des Beyond Meat-Konkurrenten Impossible Foods Anfang des Jahres sogar als eins der 20 innovativsten Produkte ausgezeichnet.

Experten schätzen den Markt für vegetarische und vegane Fleischersatzprodukte auf rund 4,6 Milliarden Dollar. Im Jahr 2023 soll der weltweite Umsatz bereits bei 6,3 Milliarden Dollar liegen, also mehr als ein Drittel höher als heute. Wahrscheinlich ist diese Prognose sogar zu tiefgestapelt.

Einen Makel hat die Wachstumsbranche dennoch. Das Gros der Hersteller vegetarischer und veganer Lebensmittel befindet sich noch in privater Hand. Dasselbe gilt für die Unternehmen, die Fleisch nicht mehr im Stall, sondern im Labor herstellen. Zwar gibt es weltweit rund 40 Biotech-Unternehmen, die sogenanntes In-vitro-Fleisch entwickeln. Aber keins dieser Start-ups ist bislang börsennotiert.

Beyond Meat ist bisher das erste und einzige fokussierte Firma in diesem Marktsegment. Es gibt allerdings eine Reihe großer Lebensmittelhersteller, die auf den Trend bereits aufgesprungen sind. Hier gilt es für Anleger genau zu analysieren, wie groß der Anteil der Veggie-Produkte am Gesamtumsatz ist und mit welchem Tempo sie wachsen. Die Arbeit sollte sich lohnen: Denn den pflanzlichen Proteinen gehört die Zukunft.

Oliver Zastrow arbeitete zehn Jahre für UBS Europe in Hamburg, zuletzt als stellvertretender Niederlassungsleiter. Er ist Bankkaufmann und hält einen MBA-Abschluss. Seit Oktober 2018 ist er Direktor bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung.

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