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Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie Vermögensverwaltung in Köln. | © Albrech & Cie

Vermögensverwalter Stephan Albrech

„Anleger sollten diesen untrüglichen Crash-Indikator ernst nehmen“

Die US-Notenbank hat vor einigen Jahren in einer Studie herausgefunden, dass wenn die Zinskurve ins Negative dreht, also wenn die kurzfristigen Zinsen über den langfristigen Zinsen liegen – folgt einige Monate später so gut wie immer eine Rezession. In aller Regel geht vor der Rezession der Aktienmarkt, als Frühindikator für die wirtschaftliche Zukunft, baden.

Dass die Trefferquote des Indikators hoch ist, liegt am Wesen des Bankgeschäfts. Banken verdienen ihr Geld mit der Zinsdifferenz, indem sie für kurzfristige Einlagen wenig zahlen und für langfristige Kredite höhere Zinsen kassieren. Liegen nun die kurzen über den langen Zinsen, funktioniert das nicht mehr. In diesem Umfeld vergeben die Schlipsträger nur ungern oder kaum noch Kredite. Vielen Unternehmen, die auf Darlehen angewiesen sind, wird zunehmend die Luft abgedreht: Arbeitsplätze gehen verloren, der Konsum geht zurück – willkommen, Rezession!

Ende März nun rentierten einjährige US-Staatsanleihen seit zehn Jahren erstmals höher als zehnjährige Schuldpapiere. Dieses Abtauchen der Zinsdifferenz unter die Nulllinie bedeutet nicht, dass es gleich abwärts gehen wird. Es dauert einige Zeit, bis die veränderte Kreditvergabe der Banken in den Geschäftsaussichten der Unternehmen und damit am Aktienmarkt ankommen. Deshalb wurde im Jahr 2000 der Hochpunkt an der Börse erst ein halbes Jahr nach diesem Ereignis erreicht. Nach dem Unterschreiten der Nulllinie 2006 ließ sich die Börse sogar fast 20 Monate Zeit, bevor sie nach unten abdrehte. Es kann also durchaus sein, dass die Börsen vor dem Abdrehen noch 20 Prozent aufsatteln, es könnten aber auch nur fünf Prozent sein.

Nehmen Sie also das Signal ernst! Bislang kam es bei einer negativen Zinskurve regelmäßig zu heftigen Abschlägen. So verlor der breite US-Aktienmarkt in Zeiten der ersten Ölkrise 40 Prozent. Im Oktober 1978 waren es überschaubare zehn Prozent. 1980/81 gab der S&P 500 etwa 30 Prozent nach, während der Index 1990 bis zu 17 Prozent verlor. Bei den Baissen von 2000 bis 2002 und von 2008/2009 stürzte der breite Markt um 50 und 55 Prozent ab. Im Schnitt ergibt das ein Minus von 34 Prozent.

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