Vermögensverwalter Stephan Albrech Ohne Glaskugel investieren Anleger erfolgreicher

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung in Köln. | © Albrech & Cie.

Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung in Köln. Foto: Albrech & Cie.

2018 hat es klar gezeigt: Rein volkswirtschaftliche Prognosen taugen nicht für die Vermögensverwaltung. So standen zu Beginn des Vorjahres fast alle Frühindikatoren noch auf sehr hohem Niveau. Und die Ökonomen frohlockten, dass sich die starke Konjunktur fortsetzen würde. Doch daraus wurde nichts, denn US-Präsident Donald Trump, das Brexit-Verwirrspiel und andere Polit-Störfeuer trieben die Aussichten für die Wirtschaft in den Keller. Was aber nutzen Prognosen, die nur zutreffen, wenn im Weltgeschehen alles beim Alten bleibt?

Andererseits können Anleger mit dem bei Banken beliebten Szenario-Spiel auch kaum was anfangen. Wenn Bank X mit 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit glaubt, der Handelskonflikt zwischen den USA und China werde 2019 gelöst, und das könnte die Aktienmärkte beflügeln – was soll der geneigte Anleger dann tun? Vor allem wenn die Bank ebenfalls meint: Falls Briten und Italiener es „vergeigen“, kommt es zu einer milden Rezession in Europa. Wahrscheinlichkeit: 30 Prozent! Wie soll man auf dieser Pudding-Basis ein Portfolio aufbauen?

Breites Publikum liebt die Glaskugel

Trotz der schlechten Erfolgsaussichten boomt das Prognosegeschäft. Warum? Zwei maßgebliche Gründe: Das breite Publikum lechzt wie eh und je nach dem Blick in die Glaskugel. Und die meisten (selbsternannten) Experten in der Finanzbranche wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie die Grundlage des eigenen Geschäfts torpedieren würden – sei’s drum, wenn das den Anlegern schadet.

Was wir fest glauben und womit wir beim Kern unseres Themas wären: Die Zukunft der Finanzmärkte lässt sich nicht prognostizieren, denn sonst würde dies mit einer bestimmten Methode bereits zuverlässig gelingen. Tut es aber nicht. Also schauen Sie sich besser nach Alternativen um. Denn die gibt es durchaus.

Eine grundlegende prognosefreie Variante ist es, alle relevanten Anlageklassen in ein Portfolio aufzunehmen: Die Wirkung dieses sogenannten „Allwetter-Portfolios“: Es gibt immer mindestens eine Anlageklasse, die von einem bestimmten ökonomischen Klima besonders profitiert; oft sind es sogar mehrere. Daher gleicht der Zuwachs in der oder den betreffenden Assets eventuelle Verluste bei den anderen Anlageklassen mehr als aus. So ist das Depot vor langwierigen und großen Verlusten geschützt, wie unsere Auswertungen über 20 Jahre zeigen.

Mix der Anlageklassen entscheidend

Abstriche bei der Rendite muss man deswegen nicht unbedingt machen: Seit der Jahrtausendwende kommt das Portfolio gemäß unserer Auswertung auf eine jährliche Rendite von sechs bis sieben Prozent. So kann das Allwetter-Portfolio durchaus mit risikoreicheren Depots mithalten, die zu 60 Prozent aus Aktien bestehen und in dieser Zeit deutlich höhere Verluste verbucht haben. Ein solches „Allwetter-Portfolio“ hat die Nase über lange Strecken sogar vorn.

Stellt sich die Gretchen-Frage: Welche Anlageklassen kommen ins Depot und in welchem Verhältnis? So viel sei verraten: Neben Aktien und langfristigen Anleihen finden sich Edelmetalle und ein Asset im Portfolio, das extrem gut auf Inflation anspricht, das aber nur sehr wenige Anleger leiden können. Zudem muss das Depot, wenn eine Anlageklasse eine gewisse Anteilshöhe überschreitet, auf die Ausgangswerte „resettet“ werden. Indem man so „Stärke verkauft“ und „Schwäche kauft“, geht man automatisch antizyklisch vor.

Fazit

Ein solches Portfolio eignet sich gut für den Aufbau und Schutz des Vermögens, ohne jemals auf Prognosen angewiesen zu sein. Es kann für sich alleine stehen oder durch weitere prognosefreie Strategien ergänzt werden, deren Renditeerwartungen höher sind, ohne dass ihr jeweiliges Risiko gleichermaßen steigen würde. Eine solche Alternative – das Momentum-Portfolio mit Fallschirm – stellen wir demnächst vor.