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Stephan Albrech ist Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung in Köln. | © Albrech & Cie.

Vermögensverwalter Stephan Albrech

Zwischen Horrorjahr und Erholung ist 2019 vieles möglich

Grabesstimmung in vielen Medien: Wird das der schlechteste Dezember für die US-Börsen seit 1931?, orakelte jüngst eine überregionale Tageszeitung. Der geneigte Leser erfuhr, dass das Folgejahr 1932 nicht nur für die Börse, sondern für die gesamte Weltwirtschaft zum Horrorjahr wurde. Auch der Finanzkrise von 2008 mit Kursverlusten von 50 Prozent ging ein Dezember in sattem Rot voraus. Und, so das Blatt: 1986 leuchtete der Adventsmonat ebenfalls tiefrot. Die Folge war, dass der Dow Jones 1987 an nur einem Tag um sage und schreibe ein Fünftel einbrach!

Falls Ihnen jetzt die Knie schlottern und Sie am liebsten alle Aktien verkaufen würden, sind Sie in scheinbar guter Gesellschaft. Denn die meisten Privatanleger, aber auch etliche professionelle Investoren, lassen sich von schlechten Nachrichten anstecken, wenn der Chor der Crash-Propheten anschwillt. Es ist kein Wunder, dass dies jetzt erneut der Fall ist: Die deutschen und europäischen Börsen verbuchen schon seit Jahresbeginn satte Verluste. Und seit Oktober erleben die US-Börsen bereits die zweite Korrektur in diesem Jahr. All das verunsichert enorm.

Zwei Jahre Aktienhausse verpasst

Doch spulen wir hier einmal drei Jahre zurück zur letzten Doppel-Korrektur: Im Herbst 2015 bröckelte der US-Markt um gut zehn Prozent ab, erholte sich etwas und gab im Frühjahr 2016 erneut nach, diesmal etwas mehr. Wie zu erwarten, waren die Medien auch damals voller warnender Stimmen, zumal es ja scheinbar genug Gründe zur Zurückhaltung gab – etwa den möglichen Brexit sowie die US-Präsidentschaftswahl mit dem „Gottseibeiuns“ Donald Trump. Doch wer diesen Stories folgte und entnervt das Handtuch warf, sah den Börsenzug danach gnadenlos ohne sich weiterfahren: Bis zum Januar 2018 stieg der S&P 500 um mehr als 1.000 Punkte auf fast 2.900 Zähler, das ist eine Rally von beinahe 60 Prozent!

Was denn nun, werden Sie sich vielleicht fragen: Steht uns jetzt ein Ausverkauf wie in den schlimmsten Zeiten bevor oder sind die aktuellen Kursverluste nur Schlaglöcher auf dem Weg zu neuen Allzeithochs? Ganz ehrlich: Wir wissen es nicht, denn wir besitzen keine Glaskugel. Doch wenn wir die Wahrscheinlichkeiten für beide Szenarien wägen, spricht aus unserer Sicht einiges für eine stärkere Erholung der Aktienkurse im kommenden Jahr. Zum einen liegen so gut wie alle schlechten Nachrichten auf dem Tisch (Brexit, die Schulden Italiens, die Handelspolitik Trumps), wobei diese das Zeug haben, die Börsen noch einige Monate in Atem zu halten.

Etliche Aktien spottbillig

Zum anderen sind viele Aktien, insbesondere in Deutschland und Rest-Europa, sehr günstig. Aktuell notiert ein Drittel der Dax-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter zehn, eine Daimler bringt es gerade mal auf ein KGV von sechs, eine Lufthansa nicht einmal auf fünf. Sollten sich die politischen Konflikte in Grenzen halten oder gar gelöst werden, könnte die Skepsis vieler Anleger weichen und den Börsen einen deutlichen Schub bescheren. Im besten Fall könnte dies den Dax wider Erwarten der meisten Marktteilnehmer in Richtung 14.000 Punkte führen.

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