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Börsenhändler in New York: Ende September verbuchten Aktieninvestoren ein Plus auf dem Konto. | © Getty Images

Vermögensverwalter Thomas Buckard

Darum läuft es an der Börse gerade gut

„Die Börse“ läuft oft dahin, wo es wehtut. Genau deshalb haben sich Ende vergangenen Jahres viele nervöse Investoren aus dem Markt verabschiedet, sind in Kasse gegangen, um dann bei hoffentlich tieferen Kursen wieder einsteigen zu können. Die Sorgen über einen weiteren drastischen Kursrückgang waren ebenso groß wie die Bereitschaft, Aktien-Engagements deutlich zurückzufahren.

Thomas Buckard ist Gründungsmitglied der Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen AG.
Foto: MPF AG

Wenn wir Anfang des Jahres gefragt hätten, welches Ergebnis per Ende September (dem historisch schlechtesten Börsenmonat des Jahres) zu erwarten ist, wären mit Sicherheit keine zweistelligen Zuwachsraten dabei herausgekommen. Warum kam es anders als erwartet?

Erstens: Die expansive Notenbankpolitik führt zu Liquiditätszuflüssen. Zudem treten die EZB und die japanische Notenbank selbst als Wertpapierkäufer an den Märkten auf und heizen folglich den Kursaufschwung weiter an. Die japanische Aktienbörse ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Kursentwicklung deutlich positiver sein kann als es die konjunkturelle Situation vermuten lassen würde.

Zweitens: Nervöse Investoren haben schon verkauft – sie fallen als Korrekturauslöser aus, stehen nach wie vor an der Seitenlinie und warten darauf, endlich wieder „mitspielen“ zu können. Mit ihrer berüchtigten Rein-Raus-Strategie verpassen sie die wichtigsten Handelstage und reduzieren nachweislich ihre Gewinne. Wer also nur mitspielen will, wenn der Gewinn quasi schon vorher feststeht, verpasst Chancen.

Dagegen stehen Angst machende Rahmendaten: Konjunktur- und Politiksorgen in Europa mit aufkeimender Rezession in Deutschland. Rückläufige Konjunkturdaten in den USA und China, die in einem ungelösten Handelskonflikt miteinander ringen. Unklarer Fortgang des Brexit-Theaters, Gewinnwarnungen, Klimawandel, politische Risiken, überbordende Verschuldung.

Die Börse schert sich offenbar nicht um die Gegenwart, sondern nimmt mögliche zukünftige Entwicklungen vorweg und setzt darauf, dass die genannten Konflikte zumindest teilweise gelöst werden können. Das zeigte sich auch am impulslosen Start in den sogenannten „Hexensabbat“: Normalerweise geht es hektisch zu, Marktbereinigungen finden statt, die durchaus den Boden für einen Trendwechsel bilden können. Davon war dieses Mal kaum etwas zu spüren.

Investoren sollten sich nicht verunsichern lassen, nicht jeden Tag auf die Kurse schauen und nicht zu viel lesen – schließlich gilt für viele Medienvertreter: „Only bad news are good news“. Das führt zu einer verzerrten Sicht auf die Finanzmärkte. Ein ausgewogenes, international gestreutes, werthaltiges Portfolio schützt langfristig am besten vor realem Kapitalverlust, auch wenn es zwischenzeitlich mal etwas rumpelt.

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