Vermögensverwalter Thomas Buckard „Die Rezessionsrisiken sind überschaubar“

Thomas Buckard ist Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF) aus Wuppertal. | © MPF AG

Thomas Buckard ist Vorstand von Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen (MPF) aus Wuppertal. Foto: MPF AG

Der Ifo-Index ist im Februar das sechste Mal in Folge gefallen. Bedenklich ist vor allem, dass die Erwartungen der rund 7000 befragten Unternehmen zuletzt deutlich stärker zurückging als das aktuelle Klima. Doch der Blick auf die deutsche Wirtschaft greift zu kurz. Entscheidend für die Weltwirtschaft und damit auch für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten sind China und die USA, die beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Und da sieht es zwar nicht toll, aber auch gar nicht so schlecht aus.

Tatsächlich machen sich in der Volksrepublik die Handelsstreitigkeiten mit den USA bereits negativ bemerkbar. Mitte 2018 kam es noch zu Vorzieheffekten im Export. Amerikanische Firmen orderten noch schnell bei chinesischen Lieferanten, bevor neue oder höherer Strafzölle seitens der USA drohten. Diese Effekte laufen jetzt aus. Ex- und Importe schrumpften zuletzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Chinas wuchs im vierten Quartal 2018 nur noch um 6,4 Prozent. Damit ist das Reich der Mitte von prozentual zweistelligen Wachstumsraten früherer Jahre meilenweit entfernt.

Basiseffekt unterschätzt

Bei der Beurteilung des chinesischen Wirtschaftswachstums wird allerdings regelmäßig zu wenig beachtet, dass es mittlerweile - absolut betrachtet - auf einem deutlich höheren Niveau als früher verläuft. Nach den aktuellen Prognosen wird das chinesische BIP im laufenden Jahr um rund sechs Prozent zunehmen – das würde einen Zuwachs um ungefähr knapp 850 Milliarden Dollar bedeuten. Zum Vergleich: Um diesen absoluten Betrag ist China in etwa auch 2010 gewachsen. Aufgrund des niedrigeren Vergleichsniveaus fiel das prozentuale Plus damals allerdings zweistellig aus.

Außerdem hat Peking die Möglichkeit, eine harte Landung seines Wirtschaftswachstums durch fiskalische und geldpolitische Maßnahmen zu verhindern. Die Notenbank hat schon vor Monaten damit begonnen, ihre Geldpolitik zu lockern.

Gefährlich dürfte es für das chinesische Wirtschaftswachstum allerdings werden, wenn der Handelskonflikt mit den USA zu einem -krieg eskaliert. Das kann zwar auch nicht im Interesse der Vereinigten Staaten sein – tatsächlich sieht es derzeit eher nach einer Einigung aus. Die Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump ist jedoch hinlänglich bekannt. Dennoch scheint es wahrscheinlicher, dass es nun doch noch zu einem Handelsabkommen kommt, das Trump dann sicherlich als „greatest deal ever“ anpreisen dürfte. Die USA befinden sich ja schon fast wieder im Wahlkampf. Ein einvernehmliches Abkommen würde für die chinesische Wirtschaft erst einmal Entwarnung bedeuten.