Thomas Buckard (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter Thomas Buckard „Die Rezessionsrisiken sind überschaubar“

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US-Konjunktur läuft noch rund

Auch bei der größten Volkswirtschaft der Welt, den USA, ist zumindest in diesem Jahr eine Rezession nicht in Sicht. Zwar befindet sich der Baltic Dry Index seit rund einem Jahr auf Talfahrt und signalisiert einen abnehmenden Welthandel. Die Vereinigten Staaten sind aber mit ihrem riesigen Binnenmarkt wesentlich unabhängiger von Exporten als beispielsweise Deutschland oder auch China.

Vielmehr profitieren die Vereinigten Staaten nach wie vor von der robusten Lage am Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote liegt bei unter vier Prozent. Nach offizieller Lesart herrscht Vollbeschäftigung, was den Konsum am Laufen hält. Und der ist gerade in den USA entscheidend für das Wirtschaftswachstum.

Zwar lassen die positiven Effekte der Steuerreform in diesem Jahr nach. Außerdem gibt es nachlaufende Auswirkungen der Erhöhung der Leitzinsen. Allerdings hat Notenbankchef Jerome Powell signalisiert, eine Zinspause einzulegen. Das ist vor dem Hintergrund wichtig, dass es in der Vergangenheit häufiger Notenbanken wie die Fed waren, die durch zu schnelle und zu starke Leitzinserhöhungen eine konjunkturelle Erholung abgewürgt haben. Diese Gefahr scheint in den USA vorerst gebannt. Die derzeitigen Leitzinsen von 2,25 bis 2,5 Prozent sind wohl kaum restriktiv, sondern eher neutral.

Wenn die beiden größten Volkswirtschaften der Welt zwar etwas an Wachstumsdynamik verlieren, aber weiter expandieren, dürfte es um die Weltwirtschaft nicht so schlecht bestellt sein. Darauf deuten auch wichtige Frühindikatoren hin.

Glas halb voll

Nach Angaben der Privatbank M. M. Warburg sind zuletzt ein Drittel der weltweiten Einkaufsmanager-Indizes aus dem verarbeitenden Gewerbe auf einen Wert unter 50 gefallen und signalisieren damit einen Rückgang der Geschäfte. Bei den Dienstleisten beläuft sich deren Anteil auf immerhin ein Viertel. Das heißt aber im Umkehrschluss, dass immer noch die Mehrzahl dieser wichtigen Frühindikatoren auf weiteres Wirtschaftswachstum hindeutet.

Unter dem Strich dürfte ein guter Teil der Risiken - vor allem ein Handelskrieg der USA mit China und der EU sowie ein harter Brexit - in den Aktienkursen eingepreist sein. Insofern ist vorsichtiger Optimismus erlaubt. Allerdings dürfte die Volatilität vor allem in den Einzeltiteln weiter zunehmen. Bei den Anlegern sind wieder stärkere Nerven gefragt.

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