Bulle und Bär vor der Börse Frankfurt: Tech-Werte erlebten jüngst eine Korrektur.  | © imago images / Jan Huebner Foto: imago images / Jan Huebner

Vermögensverwalter Thomas Buckard

Tech-Werte sind nach wie vor interessant

Die ersten Auswirkungen der Virus-Pandemie in den verschiedenen Volkswirtschaften sind längst schon wieder ausgebügelt. So sind Nudeln, Tomatensoße oder Toiletten-Papier bereits länger wieder uneingeschränkt in den Supermärkten erhältlich. Auch weil es nach den Hamsterkäufen zwischenzeitlich zu einem Einbruch der Nachfrage kam. Unter dem Strich hat sich alles wieder normalisiert.

Aus Sicht der Börsianer sind die langfristigen Auswirkungen von weitaus größerer Bedeutung. So gibt es Branchen und Unternehmen, denen auf Jahre hin schwere Zeiten bevorstehen. Zu ihnen zählt ohne Frage die Luftfahrt. So will die Lufthansa ihre Flotte um rund 100 Maschinen schrumpfen. Damit fallen künftig rund 13 Prozent der früher 760 Flugzeuge weg. Die Zahlen sprechen für sich. Die Lufthanseaten gehen ganz offenbar davon aus, dass sich ihr Geschäft auch in den kommenden Jahren nicht wieder vollständig normalisiert.

Bei den Betreibern von Kreuzfahrtschiffen sieht das ganz ähnlich aus. Branchengrößen wie Carnival Cruse haben ebenfalls damit begonnen, ihre Kapazitäten zu verringern und verkaufen oder verschrotten einen Teil ihrer Feriendampfer. Auch die weltweit größte Containerreederei Maersk hat schon einen radikalen Umbau angekündigt.

Etwas schwieriger zu beurteilen ist die Lage bei den Autoherstellern. Klar ist, dass der Lockdown in einem ersten Schritt zu einem Einbruch sowohl der Produktion als auch der Nachfrage geführt hat. Die Händler rechnen in Deutschland im Gesamtjahr mit einem Minus von 20 bis 25 Prozent. Interessant ist allerdings, dass in diesem Umfeld Elektroautos boomen.

In Deutschland war zuletzt ein Viertel der neu zugelassenen Wagen entweder zusätzlich oder ausschließlich mit einem Elektromotor ausgerüstet. Die Zahl der vollelektrischen Autos hat sich zuletzt sogar im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Bei dem neuen ID.3 von VW beträgt nach Angaben des Volkswagen- und Audi-Händlerverbands die Lieferzeit rund vier Monate. Bei herkömmlichen Pkw sind vier bis sechs Wochen üblich.

Jetzt kann man sich trefflich darüber streiten, ob es sich bei E-Autos um Hightech-Produkte auf vier Rädern oder um Pkw handelt, die eben über einen anderen Antrieb verfügen. Elektromotoren sind ja alles andere als neu. Der unglaubliche Boom der Tesla-Aktie legt allerdings die Vermutung nahe, dass die Börsianer mehrheitlich zu der ersten These neigen. Und Tech-Aktien sind derzeit mehr als angesagt. Das kommt nicht von ungefähr.

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