Uwe Zimmer

Uwe Zimmer

Vermögensverwalter über Abkürzungen: Bric, Cassh, Mist

Wer kennt sie nicht, die PIGS-Staaten. Portugal, Irland, Griechenland und Spanien standen – und stehen zum Teil – schlecht da. Statt von „ Ländern mit Schwierigkeiten sich am Kapitalmarkt zu finanzieren“ oder „Ländern mit zu hohen Staats-Ausgaben und zu geringen Staats-Einnahmen“ zu sprechen ist es doch wesentlich einfacher, sie einfach die PIGS zu nennen. Jeder weiß was gemeint ist.

Am schönsten sind Abkürzungen, wenn sie auch noch eine Stimmung transportieren: Man hätte die „europäischen Krisenstaaten“ ja auch alphabetisch ordnen können: GIPS wären sie dann. Oder nach dem Grad der Schwierigkeiten: GPIS. Klingt aber alles nicht so gut wie PIGS, die englischen Schweine. Klare Ansage: diese Länder sitzen im Sumpf.

Dass es auch positiv besetzt geht hat Jim O`Neill von Goldman Sachs bewiesen. Mit seiner Schöpfung BRIC für die großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China ist ihm ein Marketing-Coup gelungen. BRIC klingt ein wenig wie das englische Wort für Ziegelstein. Die Länder sind also solide, ein gutes Investitionsfundament. Alphabetisch wären es übrigens BCIR-Staaten – das lässt sich nicht sprechen. Und CRIB? Naja, googeln Sie mal die verschiedenen Übersetzungen, wirklich schmeichelhaft ist keine. BRIC dagegen ist gut, setze sich durch und fand Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch der Märkte.

Angestachelt von solchem Erfolg wollte auch die Fondsgesellschaft Blackrock nicht nachstehen. Sie schuf das Kürzel CASSH. Das steht für K(C)anada, Australien, Schweiz, Singapur und Hongkong. Abgesehen davon, dass es sich liest wie eine Liste möglicher Steuerfluchtorte ist der Name natürlich schön sprechend: Bargeld klingt doch gut. Die Alternativen in der Anordnung wären auch nicht wirklich verlockend: ASSCH klingt komisch, ACHSS wäre alphabetisch, SACHS ist schon besetzt. Sie haben also das Beste draus gemacht, durchgesetzt hat sich das Kürzel allerdings nie.

Man muss das Abkürzen also schon beherrschen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Jim O`Neill versucht es jetzt mit MIST. Das sind die Nachrücker der BRIC-Staaten Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei. Die Frage ist nur, was will uns O`Neill mit dem Namen sagen? Stochern im Nebel? Schlechte Sicht? Angesichts seiner Erfolge mag es sein, dass sich auch diese Abkürzung durchsetzt. Ich finde sie aber auf gut deutsch einfach nur Mist.

Mehr zum Thema