Börse in Frankfurt: Viele Aktien sind inzwischen wieder teuer. Foto: imago images / Reiner Zensen

Vermögensverwalter über Aktien

Vorsicht bei Spezialitäten

Die Aktienkurse sind nach den Pandemie-Lockdowns weltweit gefallen. Manches war übertrieben, manches gerechtfertigt. Wer seine Hausaufgaben gemacht und zukunftsträchtige oder widerstandsfähige Geschäftsmodelle gefunden hatte, konnte sich über den schnellen Wiederaufstieg freuen. Doch auch der ganz breite Markt wurde von der unglaublichen Liquiditätsflut nach oben getrieben. Und dort wird die Luft bekanntlich dünner.

Viele Tech-Firmen sind extrem teuer, so gut ihr Geschäftsmodell auch in die Landschaft passt. Und auch manche der Mitläufer, deren Aktienkurse jetzt im Sog der großen Erholung stiegen, sind teuer. Zu teuer in vielen Fällen. Schon ohne Pandemie liefen manche Geschäfte nicht wie gewünscht. Hier hat die Pandemie einen sanften Schleier über die Fehler und Versäumnisse manches Managements gelegt. Gutes Research könnte diesen Schleier beiseite schieben. Aber das ist heute wenig gefragt, da doch mit Staatsmilliarden die Kurse getrieben werden.

Da die Investoren aber die Gefahr erkennen, die in teuren Märkten liegt, kommen Alternativen zu den puren Aktieninvestments in Mode. Wandelanleihen, Cooo-Bonds, Derivate und manches mehr werden jetzt wieder fröhlich angepriesen. Für institutionelle Anleger mögen solche Vehikel noch vertretbar sein. Privatanleger aber zahlen dabei in der Regel nur die Provisionen derjenigen, die diese Produkte auflegen.

Denn diese laut angebotenen Produkte haben oft hohe Mindestinvestments, die Privatanleger nicht oder nur unter Verzicht auf sinnvolle Streuung leisten können. Dadurch sind sie dann auf Fondsanbieter angewiesen, die sich die Leistung gut bezahlen lassen. Die Leistung, einem Privatanleger ein Investment, das eigentlich nur für institutionelle Anleger gedacht und sinnvoll ist, zugänglich zu machen. Hohe Gebühren und ein hohes Maß an Intransparenz sind für die privaten Anleger oft die Folge.

Wenn aber Aktien teuer sind und die Spezialitäten auch, was bleibt dann? Der Unterschied bei „teuer“ ist der Schlüssel. Teuer sind die Spezialitäten, weil zu viele zu viel daran verdienen wollen. Teuer sind Aktien, weil die Nachfrage hoch ist und die Papiere gekauft werden. Von hohen Gebühren für Strukturierer und Zwischenhändler sollten Anleger Abstand halten. Aktien lassen sich immer dann laufen, wenn ihr Preis in einem angemessenen Verhältnis zu Ertrag und Risiko stehen. Und das lässt sich über eine intensive Beschäftigung durchaus herausfinden.

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