Amazon-Stand bei der Technikmesse CES in Las Vegas: Am Beispiel des E-Commerce-Riesen erklärt Vermögensverwalter Harald Kärcher, wie ein Risikopuffer aussehen kann. | © Getty Images Foto: Getty Images

Vermögensverwalter über Aktienjahr

Warum Risikopuffer jetzt nötig sind

Bei der Betrachtung des Jahrs 2019 könnte man zum Schluss kommen, dass es 2020 – mangels Alternativen – an den Aktienmärkten weiter nach oben gehen muss. Denn Dividendentitel scheinen nach wie vor alternativlos. Aktien werfen zurzeit im Durchschnitt eine Dividende von rund drei Prozent ab. Und die Zinsen werden vermutlich in diesem Jahr nicht steigen. Bundesanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit sind bei einer Verzinsung von minus 0,2 Prozent weiterhin ein schlechtes Geschäft. Um hier einen positiven Ertrag zu erzielen, können Anleger nur auf erneut sinkende Zinsen setzen – oder besser gesagt wetten. Das hat zwar 2019 funktioniert, mit einer Wiederholung ist in diesem Jahr allerdings wohl kaum zu rechnen.

Harald Kärcher
Bild: Eberhardt & Cie.

Bleiben also vor allem Aktien. So wie es derzeit aussieht, steuert der Dax nun auch nach den amerikanischen Indizes ein neues Allzeithoch an. Allerdings gilt es hier für Anleger doch zum Teil erhebliche Tagesausschläge auszuhalten. Auslöser dafür gibt es zur Genüge: Weiterhin nicht wirklich ausgehandelte Handelsabkommen, der bislang ungeklärte Ablauf des Brexits, kriegerische Handlungen im Nahen und Mittleren Osten und aus Sicht der Börsianer vor allem unsichere Konjunkturaussichten.

Schwaches Wachstum erwartet

Gerade erst hat die Weltbank ihre Prognose für 2020 gekappt. Jetzt rechnet das Institut nur noch mit einem Plus für das weltweite BIP von 2,5 Prozent. Zuvor war die Weltbank noch von einem Zuwachs von 2,7 Prozent ausgegangen. Die Revision für sich genommen bedeutet keinen Beinbruch. Es ist allerdings zu bedenken, dass die Konjunktur-Prognosen am Jahresanfang regelmäßig zu optimistisch sind und dann im weiteren Zeitverlauf Schritt für Schritt nach unten revidiert werden.

Im zurückliegenden Jahr sind die Aktienkurse vor allem aufgrund einer signifikanten Ausweitung der Bewertungen gestiegen. Während die Kurse der 30 Dax-Konzerne 2019 um knapp 30 Prozent gestiegen sind, fielen gleichzeitig die Gewinne der Unternehmen um durchschnittlich rund 15 Prozent. Dadurch liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des deutschen Standardbarometers mittlerweile bei circa 16. Vor einem Jahr musste lediglich das 12-fache der Unternehmensgewinne für die Aktien bezahlt werden.  

Davon kann abgeleitet werden, dass das weitere Aufwärtspotenzial begrenzt ist – zumindest dann, wenn man nicht mit erheblichen Gewinnsteigerungen der Unternehmen rechnet. Die Konjunkturindikatoren signalisieren auf jeden Fall keinen steilen Anstieg. Zwar verleihen die niedrigen Zinsen den Aktien Rückenwind, jedoch wird dies allein nicht ausreichen, um sie weiter nach oben zu treiben. Notwendig wären dafür sicherlich steigende Unternehmensgewinne. Ob diese im neuen Jahr tatsächlich um rund zehn Prozent steigen, was der Markt derzeit erwartet, darf angesichts der doch eher mauen Konjunkturaussichten zumindest bezweifelt werden.

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