Aktualisiert am 04.09.2015 - 12:00 UhrLesedauer: 3 Minuten

Vermögensverwalter über die Dax-Korrektur „Man kann wieder anfangen, Value-Titel ins Depot zu nehmen“

Andreas Görler
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DAS INVESTMENT.com: Handelt es sich beim jüngsten Dax-Einbruch um eine fällige Korrektur, die Chancen zum Einstieg bietet oder um eine nachhaltige Trendumkehr?

Andreas Görler:Seit Anfang August summieren sich die Verluste des DAX mittlerweile auf 22 Prozent. Eine Korrektur konnte man erwarten, dass dies dann mit dieser Heftigkeit innerhalb einer Woche passiert, war nach unserer Auffassung nicht so abzusehen.

Der DAX korrigierte zwischenzeitlich um knapp 3.000 vom Rekordhoch im April. Damit sollten die vorausgegangenen Übertreibungen beispielsweise bei Aktien der Automobilhersteller eigentlich abgebaut sein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes ist auf Basis von Konsensgewinnschätzungen auf ein eher niedriges Niveau von 13 zurückgefallen. Auf diesem Niveau kann man wieder anfangen, Value-Titel ins Depot zu nehmen. Aufgrund der Heftigkeit der Entwicklung und der hohen Volatilität sehen wir noch keine deutliche Trendumkehr in einen grundsätzlich bearischen Markt.

Fundamental bleibt uns das Thema China erhalten. Mögliche, wenn auch eher moderate Zinserhöhungen in den USA, negative Entwicklungen in den Schwellenländern, mal wieder Neuwahlen in Griechenland oder Stagnationen in der Wirtschaftsentwicklung der EU-Zone lassen nicht so viel Spielraum, um pauschal zu einem antizyklischen Einstieg zu raten. 

Wir raten aber insbesondere dem Privatanleger von Verkäufen aus Value-Standardwerten ab, auch wenn es dem ein oder anderen schwer fallen dürfte, dem Herdentrieb zu widerstehen.

Sind die Turbulenzen in China nur der Anlass für Investoren für Gewinnmitnahmen auf breiter Front oder sind sie die fundamentale Ursache des Dax-Einbruchs? 

Görler: Internationale Investoren meiden den DAX derzeit überproportional, weil sich seine Vorteile in einer stabilen Konjunktur nun ins Gegenteil verkehren. Der hohe Exportanteil, die überproportionalen Gewinne  durch den China-Boom und damit verbundene Abhängigkeit, bewirken nun angesichts der Umstrukturierung der chinesischen Wirtschaftsstruktur und der niedrigeren Entwicklung des BIP-Wachstums eine deutliche Korrektur. Insbesondere an der chinesischen Börse kann natürlich auch die Tatsache relevant sein, dass hier Privatanleger ihre Investments  über Kredite gekauft haben und nun verkaufen müssen. Außerdem ist man es in China eher gewöhnt, dass staatliche Eingriffe eine Wirkung erzielen und muss nun feststellen, dass man einen Kapitalmarkt nicht einfach mit Geldspritzen stabilisieren kann. Sicherlich nutzen die Anleger, die immer noch deutlich im Plus sind, solche Situationen aus und nehmen Gewinne mit.

Welche Aktien und Branchen werden im Moment zu Unrecht mit nach unten gezogen?

Görler: Sicherlich werden die großen deutschen Automobilhersteller, insbesondere diejenigen mit einem Ertragsanteil von 50 Prozent aus dem chinesischen Markt, hart getroffen. Hier ist die Entwicklung auch nicht überraschend. In diesem Segment ist auch zu berücksichtigen, dass die chinesische Regierung eigene Fahrzeughersteller präferieren und stärker fördern wird. Aktien aus dem Gesundheitsbereich, der Pharmazie oder Nahrungsmittelhersteller sollten vorgezogen werden, weil deren Produkte unabhängig von der wirtschaftlichen Lage genutzt werden. Grundsätzlich können Aktien mit etwas höherer Dividendenrendite einen  Sicherheitspuffer gegen Kursabschläge bieten. 

Trotz der zwischenzeitlichen Erholung: Wie tief kann der Dax noch fallen? 

Görler: Technische Untergrenzen liegen hier recht tief, so dass man erst um 9200 etwas Unterstützung erwarten darf. Diese Barrieren halten aber nicht, wenn aus den amerikanischen oder asiatischen Märkten der Verkaufsdruck hoch bleibt. Bei der extremen Entwicklung am 24.08.2015 sah es aufgrund der hohen Umsätze allerdings nach einem „sell-off“ aus. Häufig ist das Schlimmste dann überstanden.

Wie ist Ihre Sicht bis Jahresende und darüber hinaus? Hat sich daran in den vergangenen Wochen etwas geändert?   

Görler: Wir gingen zwar nicht explizit davon aus , dass wir am Jahresende auf oder über dem Höchststand liegen würden, hatten aber mit einer etwas moderateren Korrektur aufgrund der etwas niedrigeren Wachstumszahlen in China und den erwarteten Zinserhöhungen in den USA gerechnet. Es bleibt aber dabei, dass Aktien oder hiervon abgeleitete Produkte wie entsprechende Fonds in ein ertragsorientiertes Depot gehören.  

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