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Marode Rheinbrücke: Deutschland investiert zu wenig in die Infrastruktur, sagt Vermögensverwalter Joachim Paul Schäfer.  | © Pixabay Foto: Pixabay

Vermögensverwalter über Rekordüberschuss

Deutschlands Sparwut schadet der Wirtschaft

Der Bund hat im vergangenen Jahr einen Haushaltsüberschuss von 13,5 Milliarden Euro erzielt – so viel wie noch nie. Dazu kamen noch einmal 5,5 Milliarden Euro an gebilligten Ausgaben, die aber nicht getätigt wurden – macht zusammen ein Steuerplus von 19 Milliarden Euro. In Berlin, der Hauptstadt der Sparweltmeister, knallten gewissermaßen die Sektkorken und Scholz ließ sich wieder einmal als der Verteidiger der schwarzen Null bejubeln. Tatsächlich ist von 2011 bis 2018 in Deutschland die Verschuldung pro Kopf von 27.752 auf 24.879 Euro zurückgegangen. Im vergangenen Jahr dürfte sie noch einmal etwas niedriger gelegen haben. Klingt erst einmal gut, ist es aber nicht.

Joachim Paul Schäfer
Bild: PSM Vermögensverwaltung

Denn im Kern ist der Rekordüberschuss vom Bund – die Daten für Länder und Kommunen liegen noch nicht vor – vor allem negativ. Seit dem Ende der Finanzkrise spart die Regierung Deutschland kaputt. Das gilt zum einen für die Sparer. Auf deren Rücken baut der Bund durch die rekordtiefen Zinsen seinen Schuldenberg Schritt für Schritt ab, während die Sparer real entsparen. Das Ganze ist im Prinzip nichts anderes als eine Umverteilung von den Bürgern zum Staat.

Noch schlimmer ist wahrscheinlich, dass der Staat auf Kosten der Substanz wirtschaftet und lebt. Während andere große Wirtschaftsnationen wie USA, China oder Japan kräftig neue Schulden aufnehmen, um die Wirtschaft mit Investitionen und Steuersenkungen anzutreiben, gilt in Deutschland ein ausgeglichener Bundeshaushalt fast als heilig.

Massiver Investitionsstau

Dabei geht die Infrastruktur bereits seit Jahren den Bach runter. In Deutschland gibt es zum Beispiel rund 120.000 Brücken. Deren Zustand wird allerdings nur bei circa zwölf Prozent als gut oder sehr gut eingestuft. Dagegen werden 32 Prozent nur als ausreichend (Note 4) und 13 Prozent sogar als ungenügend (Note 5) bewertet. Allein für die Sanierung und den Neubau dieser schwer geschädigten und baufälligen Brücken bräuchte es rund zehn Milliarden Euro. Bei Kitas, Schulen und Universitäten sieht es kaum besser aus.

Bei der Qualität der Mobilfunknetze rangiert die Bundesrepublik mittlerweile sogar auf dem Niveau eines Schwellenlandes. Laut einer Erhebung des britischen Marktforschungsunternehmens Opensignal liegt die Abdeckung der deutschen LTE-Netze (G4) gerade einmal bei 66 Prozent – das reicht im internationalen Vergleich mit insgesamt 88 Ländern gerade einmal für Platz 70. Selbst Albanien, die Türkei oder Pakistan schneiden da besser ab. Bei der Datengeschwindigkeit erreicht Deutschland immerhin Rang 44 – bravo.

Die staatliche Investitionsquote ist in Deutschland in den vergangenen Jahren auf 2,3 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung gesunken. Früher lag sie einmal bei fünf Prozent des BIPs. Nicht zu Unrecht moniert Grünen-Chef Robert Habeck kaputte Brücken, fehlende Bahntrassen, schlechte Internetabdeckungen und zu wenig Mittel für Bildung und Forschung.

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