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Salatanbau auf mehreren Etagen bei Start-up in Chicago: Sogenannte vertikale Landwirtschaft soll die Massenproduktion von Pflanzen in Städten ermöglichen. | © imago images / ZUMA Press Foto: imago images / ZUMA Press

Vermögensverwalter über Vertical Farming

Gemüseanbau von morgen

In ausgesuchten Supermärkten gibt es sie schon: Neuartige, vertikale Gewächshäuser, die aussehen wie große gläserne Kühlschränke, in denen Gemüse und Salat wachsen. LEDs ersetzen hier die Sonne, die Pflanzen wurzeln in wiederverwendbaren Kunststoffmatten, eine Substratlösung liefert die benötigten Nährstoffe und die Bewässerung ist gesteuert. Die Technologie, die sich erst einmal ziemlich künstlich anmutet, liefert erstaunliche Ergebnisse: Der angebaute Salat und das Gemüse schmecken ausgezeichnet und sind ausgesprochen aromatisch – im Gegensatz zu den herkömmlich erzeugten Produkten, bei denen selbst ansehnliche, rote Rispentomaten sich vor allem durch einen hohen Grad an Geschmacklosigkeit auszeichnen.

Die innovative Anbaumethode verfügt über weitere Vorteile: So ist der Einsatz von Pestiziden obsolet, denn Ungeziefer sind bei der neuen Technologie kein Thema. Außerdem sorgt die künstliche Beleuchtung dafür, dass die Pflanzen auch im Winter 18 Stunden lang wachsen, was die Anbauzeit verkürzt und den Ertrag erhöht. Gleichzeitig verbraucht Vertical Farming wesentlich weniger Wasser als herkömmliche Anbaumethoden. Die Einsparung beläuft sich im Vergleich zu üblichen Gewächshäusern auf 40 Prozent, gegenüber der Zucht auf dem Acker sogar auf 80 Prozent. Der Platzbedarf fällt ebenfalls signifikant geringer aus. Schließlich entfallen die langen Transportwege für das meistens noch halbwegs unreif geerntete Gemüse. Das dürfte gleichzeitig die damit verbunden CO2-Emissionen spürbar verringern.

Hohe Energiekosten

Einen entscheidenden Makel gibt es beim Vertical Farming bislang dennoch. Das Konstant-Halten der Temperatur bei gut 20 Grad und die Beleuchtung verbrauchen vergleichsweise viel Strom. Das verhagelt gerade in einem Land wie der Bundesrepublik mit im internationalen Vergleich extrem hohen Energiekosten die Preise der künstlichen angebauten Lebensmittel. Folgerichtig ordern daher in Deutschland bislang vor allem höherpreisige Hotels und Restaurants die zwar kostspieligen, dafür aber qualitativ hochwertigen Produkte. Bei ihnen fallen die höheren Einkaufspreise weniger ins Gewicht als bei der Billig-Konkurrenz.

In Ländern mit einer hohen Sonneneinstrahlung, wo erneuerbare Energien besonders preisgünstig sind, sieht die Kalkulation dagegen schon ganz anders aus. Gerade in diesen Regionen ist außerdem häufig auch noch das Wasser knapp, was sie für die neuartigen Gewächshäuser geradezu prädestiniert – zum Beispiel für die arabischen Länder.

Während Vertical Farming in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, spielt die innovative Anbaumethode in technikaffinen Ländern wie den USA und Japan schon eine ganz andere Rolle. Vor allem in den Vereinigten Staaten treibt die zunehmende Legalisierung von Cannabis die Ausbreitung der neuen Anbaumethode voran. Wahrscheinlich spielen hier weniger der Wasserverbrauch und die Platzeinsparung eine entscheidende Rolle, sondern mehr, dass sich durch Vertical Farming die Eigenschaften der gezüchteten Pflanzen passgenau steuern lassen. Das gilt sowohl für das Aroma von Salaten und Tomaten als auch für den THC-Gehalt von Marihuana.

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