Auto an einer Ladestation: Elektromobilität ist inzwischen im täglichen Leben vieler Menschen angekommen. Foto: imago images / Geisser

„Mit etwas Mut und Können“

In welchen Branchen sich derzeit Investments lohnen

Welche Grundvorrausetzungen müssen eigentlich gegeben sein, um am Kapitalmarkt weit überdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen? Offensichtlich haben Voraus- und Querdenker wie Elon Musk, Jeff Bezos, Peter Thiel, Sir Richard Branson oder vielleicht auch Warren Buffett irgendwann in ihrem Leben richtige Antworten gefunden.

Aber auch Privatanleger könnten diese Frage mit etwas Mut und Können durchaus erfolgreich beantworten. Wahrscheinlich würden sie, unter anderem, auf nachfolgende Charakteristika und Bedingungen derartiger Anlagechancen stoßen.

  • Die überwiegende Mehrheit der Anleger hat die Investmentchance bisher nicht erkannt oder lehnt sie aus bestimmten Gründen ab.
  • Die praktischen und anlagetechnisch nutzbaren Folgen einer bestimmten, offensichtlichen Veränderung in der Politik, am Kapitalmarkt oder insbesondere der technologischen Entwicklung werden schlicht nicht wahrgenommen.
  • Der Anlagechance fehlt der Marketingsupport von Großbanken. Diese bleiben gerne auf der sicheren Seite und bedienen bevorzugt reifere und schon bekannte Trends.
  • Der Masse der sicherheitsorientierten Anleger ist in der Bildung von dialektischen Argumentationsketten und Ursache-Wirkung Analysen schlicht nicht geschult oder es fehlt an ökonomischem und verhaltenspsychologischem Basiswissen.
  • Viele Menschen führen das Wort Disruption mittlerweile als Zeichen von modernem Denken, Informiertheit und Veränderungsakzeptanz im Wortschatz. Doch die Bereitschaft, eigene Glaubenssätze und bisheriges Handeln infrage zu stellen, endet oftmals bei der privaten Geldanlage.

Bereits seit den 60er Jahren beschäftigt sich die Forschung mit dem Handeln von Menschen unter Unsicherheit und Risiko. Und genau diese Unsicherheit und die individuelle Fähigkeit, bei Vorliegen von nur wenigen Konstanten, zielführende Entscheidungen zu treffen, haben eine neue Qualität und Komplexität erreicht. Leider verhalten sich das zunehmende Ausmaß globaler Unsicherheit und die individuelle Fähigkeit, Chancen bewusst zu erkennen und zu nutzen, konträr zueinander.

Drei Themenbereiche lassen sich hier als Beispiele anführen:

  • Elektromobilität ist in aller Munde und im täglichen Leben wahrnehmbar angekommen. Auch auf unternehmerischer Ebene sind die künftigen Absatzschätzungen der Automobilhersteller bekannt, jederzeit verfügbar und werden laufend nach oben revidiert. Doch in Deutschlands führendem Publikumsfonds für Lithiumproduzenten und -förderer und andere Next-Generation-Ressourcen schlummern aktuell gerade einmal 62 Millionen Euro. Auch andere Fonds, die zum Beispiel Kupfer- und Nickelfirmen als Profiteure der E-Mobilität präferieren, werden nicht überrannt. Selbst das Thema Wasserstoff-Technologie, als möglicherweise künftige Antriebsalternative, fristet weiterhin ein Schattendasein und ist in nahezu keinem Depot nennenswert vertreten. Krasser kann ein Missverhältnis kaum sein.
  • Ähnlich sieht es bei Fonds in Bezug auf kleinere und mittelgroße Gold- und Silber-Produzenten aus. Je nach Quelle liegt der Anteil dieses Sub-Sektors in den globalen Wertpapierdepots durchschnittlich irgendwo zwischen null und 0,5 Prozent. Dagegen ist nach nahezu einhelliger Meinung der Experten, Branchenanalysten und Profis die aktuelle Beurteilung eindeutig: Die Branche der Goldproduzenten hat noch nie so gesund ausgesehen wie heute. Die Entwicklung der Gewinne, Dividenden, Verschuldungsquoten, verfügbaren Ressourcen, Kosten, Energiepreise, Übernahmeaktivitäten, Geldmengen- und Realzinsentwicklung, abnehmende relative Abhängigkeit vom Goldpreis, noch geringer Anteil zittriger Kleinanleger - nahezu alle Zeichen stehen auf Grün. Diese Unternehmen verfügen sogar über Stärke gegenüber dem Goldpreis selbst - und kaum jemand ist dabei. Ein Traumszenario.
  • Last but not least bietet der unübersichtliche Markt der Krypto-Währungen einiges an Beispielpotenzial. In die öffentlichen Gespräche, die Familienrunden und die Blogs der Krypto-Jünger haben es Bitcoin und Co. schon seit Längeren geschafft. Jüngste Meldungen, dass nun auch Großinvestoren und Banken ihre Reserviertheit teilweise aufgeben, könnten das beginnende Ende der Wildwest-Zeit dieser Anlageform einläuten. Unabhängig von allen Befürchtungen, Betrügereien, Verschwörungstheorien und teils extrem schwerverständlichen technischen Details und politischer Gegnerschaft - die spezifischen Eigenschaften wie Unkorreliertheit zu klassischen Assetklassen, Dezentralität, politische Unabhängigkeit, Regelgebundenheit, immer bessere, auch börsenmäßige, Handelbarkeit  und nicht zuletzt Manipulationssicherheit der Blockchain-Technologie qualifizieren diese neue Anlageklasse für nahezu jedes Wertpapierportfolio. In den Depots herrscht dennoch weiterhin weitgehend Fehlanzeige.      

Chancenorientierten und vorausschauenden Anlegern kommen die genannten Defizite entgegen. Denn je später die breite Masse versteht und versucht, bestimmte Trends zu monetarisieren, desto mehr Zeit verbleibt für den Auf- und Ausbau der entsprechenden Positionen. Aus der Sicht der erfolgreichen Geldanlage ist es unabdingbar, möglichst frühzeitig an den künftigen Treibern der gesellschaftlichen Wertschöpfung beteiligt zu sein. Das setzt allerdings das Erlernen und Verstehen neuer Zusammenhänge sowie das schöpferische Zerstören lieb gewordener, aber überholter Denkmuster voraus.

Außerdem braucht es Akzeptanz, dass auch partielles Irren möglich ist, Bereitschaft zum ständigen Überdenken und  infrage stellen eigener Positionen und Mut zum bewussten Handeln trotz der Unsicherheiten unserer Zeit.

Uwe Günther ist Geschäftsführer der BPM Berlin Portfolio Management.

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