Vermögensverwalter Uwe Wiesner „Wir erwarten eine Renaissance der Value-Titel“

Dax-Kurstafel an der Frankfurter Börse: Dieses Jahr dürfte der deutsche Leitindex im roten Bereich beenden, prognostiziert Uwe Wiesner aus Berlin. | © Getty Images

Dax-Kurstafel an der Frankfurter Börse: Dieses Jahr dürfte der deutsche Leitindex im roten Bereich beenden, prognostiziert Uwe Wiesner aus Berlin. Foto: Getty Images

Das zu Ende gehende Jahr stellt eine Zäsur an den internationalen Kapitalmärkten dar. Der Dax wird nach sieben Jahren erstmals wieder mit einer negativen Wertentwicklung abschließen. Die Notenbanken, insbesondere die amerikanische Fed, flankierten nicht mehr zwangsläufig die Konjunktur mit einer historisch einmaligen Nullzinspolitik. Zudem bot die internationale Politik ein Wechselbad an Gefühlen.

Die Stimmung der Anleger trübte sich im Jahresverlauf sukzessive ein, ehe sie sich im Herbst deutlich verfinsterte. Dies führte zu starken Korrekturen an den Aktienmärkten, insbesondere in Europa. Trotz eines stürmischen Dezembers erscheint die aktuelle Lage besser, als die aktuelle Stimmung. Anleger können somit optimistisch ins neue Jahr blicken. Mit folgenden Konsequenzen muss Anleger in Bezug auf die unterschiedlichen Vermögensklassen rechnen:

Weltwirtschaft

Uwe Wiesner, Hansen & Heinrich AG

Die Weltwirtschaft wird 2019 weiterwachsen, allerdings wird die Dynamik abnehmen. In den USA wird der fiskalische Stimulus der Trump-Administration auch im Jahr 2019 noch tragen. China wird umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen in die Wege leiten. Dabei werden Regierung und Notenbank Hand in Hand gehen. Chinas strategischer Plan („2025 - Made in China“) ist für die dortige Regierung von elementarer Bedeutung, so dass wir direkte und indirekte Eingriffe erwarten. Europa erscheint aktuell als das „Problemkind“ der Weltwirtschaft.

Politisch ungeklärte Fragen, wie der Brexit und die Schuldensituation in Italien werden durch hausgemachte Probleme in wichtigen Branchen, zum Beispiel die Automobile ergänzt. Derzeit werden für Europa Rezessionsängste herumgereicht, diese erscheinen übertrieben.

Vielmehr befindet sich Europa in einer Phase der Neuorientierung. Diese bietet durchaus Chancen. So stößt die betriebene Sparpolitik Deutschlands an Ihre Grenzen, so dass in Europa stimulierende Reformen möglich werden. Politische Veränderungen könnten diesen Prozess beschleunigen.

Geldpolitik und Rentenmärkte

Eine spürbare Zinswende am Rentenmarkt ist auch für 2019 nicht zu erwarten. Auch wenn die US-Notenbank die Leitzinsen weiter leicht anheben wird, die EZB ihre massive Liquiditätsausweitung reduzieren wird, ist mit größeren Zinssteigerungen nicht zu rechnen.

Viel zu groß ist immer noch die Anfälligkeit der weltweiten Konjunktur und die Verschuldungsthematik. Anleihen bleiben auch 2019 eine wenig attraktive Anlageklasse.

Aktienmärkte

Wir sind überzeugt, dass mit den Kursrückgängen des Herbstes zu viel Negatives eingepreist ist. Blickt man aktuell auf die Bewertungen von europäischen, speziell deutschen Aktien, preisen diese eine Rezession ein. Sobald der tatsächlichen Ertragsqualität und dem dauerhaften Geschäftsmodell der Unternehmen wieder mehr Gewicht zugemessen wird, wird sich Kurssteigerungspotential zeigen.

Opportunitäten sehen wir im Jahr 2019 am chinesischen Aktienmarkt. Dieser ist deutlich weniger exportlastig als vermutet. Sollten die von uns erwarteten stimulierenden Maßnahmen kommen, bedeutet dies überdurchschnittliche Chancen für die dortigen Aktien.

Die US-Börsen zeigten sich, bedingt durch die hohe Gewichtung der „FANG“-Aktien lange als letzte starke Bastion, ehe die hohe Bewertung der US-Technologie-Aktien auch nicht mehr klaglos hingenommen wurde. Vor dem Hintergrund, dass das Wirtschaftswachstum in den USA intakt ist, erwarten wir weitere Konsolidierungen und stärkere Schwankungen auf hohem Niveau.

Währungen

Die Zinsdifferenz und das Konjunkturwachstum sprechen klar für den US-Dollar. Allerdings bleibt zu berücksichtigen, dass die proaktive US-Wirtschaftspolitik mit einer deutlichen Ausweitung des Zwillingsdefizits (sowohl Haushalts- als auch Leistungsbilanzdefizit) einhergeht. Wir erwarten im Jahresverlauf einen schwächeren US-Dollar.

Hartwährungen wie die Norwegische Krone und der Schweizer Franken werden im nächsten Jahr eine Qualitätsalternative darstellen. Gleichzeitig bieten diese Währungen einen möglichen Schutz gegen Turbulenzen in der Eurozone.

Rohstoffe

Die Rohstoffpreise werden durch das weltweite Wirtschaftswachstum gestützt. Wir erwarten keine deutlichen Preissteigerungen. Unabhängig von politischen Nachrichten erwarten wir einen stabilen Ölpreis. Gold wird für Anleger zunehmend interessant. Die politischen Risiken und die relative Schwäche der letzten Jahre sprechen zunehmend für steigende Notierungen.

Portfoliostruktur

Anleger sollten 2019 mehr denn je Anlagen in Unternehmen bevorzugen, die sehr hohe Qualitätsanforderungen hinsichtlich der Unternehmensführung, der Bilanzqualität und der Dividendenfähigkeit erfüllen („Wertorientierung“). Wir erwarten eine Renaissance der Value-Titel.

Gleichwohl sind Schwankungen zu erwarten, die sukzessive Verknappung von Notenbankgeld ist dafür ursächlich. Ein aktives Depotmanagement wird in 2019 einen deutlichen Mehrwert gegenüber passiven Index-Investments liefern. Risikoreduzierende Instrumente, wie zum Beispiel Diskontzertifikate oder Aktienanleihen stellen in diesem Umfeld eine attraktive Alternative für Anleger dar.