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Finanzbranche zum EZB-Entscheid
„Schmerzhaft, aber notwendig“
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Finanzbranche zum EZB-Entscheid „Schmerzhaft, aber notwendig“

EZB-Chefin Christine Lagarde
EZB-Chefin Christine Lagarde: Die Zentralbank erhöht trotz Bankenkrise weiter die Leitzinsen | Foto: Imago Images / Zuma Wire

 

Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa bei der DWS

„Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich nicht beirren lassen und die Leitzinsen um weitere 50 Basispunkte erhöht, trotz des Bebens an den Finanzmärkten. Dies ist eine gute Nachricht vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflationsraten. Gleichzeitig bekräftigte EZB-Präsidentin Lagarde ihre Absicht, bei einer Gefährdung der Finanzmarktstabilität mit Liquiditätsmaßnahmen einzugreifen. Mehrmals wiederholte sie, dass der EZB dafür verschiedene Fazilitäten zur Verfügung stünden. Dies sollte für eine Beruhigung der Märkte sorgen. 

Erstmals verzichtete die Notenbank auf jegliche Vorfestlegung des weiteren Zinspfads. Die EZB bleibt damit vollkommen datenabhängig. Zu diesen Daten zählen nicht nur der Inflationsausblick und die Dynamik des unterliegenden Inflationstrends, sondern auch, wie die restriktivere Geldpolitik auf Inflation und Realwirtschaft wirkt.

Dies ist angesichts der aktuellen Lage zwar verständlich. Fraglich bleibt aber, inwieweit die weitere Entwicklung der Finanzmarktstabilität ihre Optionen einschränkt. Ihrer Meinung nach besteht kein Widerspruch zwischen Preis- und Finanzmarktstabilität. Doch letztlich muss die Notenbank ihre Prioritäten setzen. Das Mandat der EZB ist Preisstabilität. Diese ist weder aktuell noch auf Basis der Projektionen für die nächsten Jahre gegeben. Daher dürfte die EZB nicht darum herumkommen, die Leitzinsen weiter zu erhöhen."

 

 

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James Athey, Investment Director bei Abrdn

„EZB-Präsidentin Lagarde erklärte heute mit Nachdruck, dass es keinen Zielkonflikt zwischen Finanzstabilität und Geldpolitik gibt. Da der Druck auf die Kerninflation auf dem Kontinent jedoch nach wie vor hoch ist, deutet das Fehlen von Leitlinien für künftige Zinserhöhungen darauf hin, dass nicht alle Mitglieder des EZB-Rats ihrer Meinung sind. Der Markt hat viele künftige Zinserhöhungen schnell ausgepreist und sogar die Möglichkeit von Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte eingepreist. 

Die Realität ist, dass die Märkte jetzt Anzeichen von Bankenstress gesehen haben, und jeder, der noch von der globale Finanzkrise gezeichnet ist, wird nicht so leicht davon überzeugt sein, dass alles in Ordnung ist. Auch wenn man sich auf die Aussagen der politischen Entscheidungsträger stützt, die so häufig für die extremen Liquiditätsschwankungen verantwortlich sind, die viele dieser Probleme überhaupt erst verursachen. Jetzt, wo die Zahnpasta für den Bankenstress aus der Tube ist, wird es nicht mehr so einfach sein, sie wieder hineinzubekommen." 

 

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