Manfred Rath ist Portfolio-Manager bei der KSW Vermögensverwaltung in Nürnberg

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Vermögensverwaltung

Bei attraktiven Börsengängen gehen Private meist leer aus

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Mit für damalige Verhältnisse großen Emissionen, wie Deutsche Telekom, Infineon, Epcos, setzte Ende der 1990er Jahre ein wahrer Run auf Börsenneulinge ein. Die Anleger fürchteten sich nicht vor Kursverlusten, sondern davor, keine Aktien zugeteilt zu bekommen.

Doch die Kurse vieler Titel fielen nach einer nur kurzen Euphorie-Phase teilweise ins Bodenlose. Mancher Wert hat bis heute seinen Ausgabekurs nicht wieder erreicht. Ist es diesmal anders oder wiederholt sich die Geschichte?

Alibaba-IPO stellt neuen Rekord auf


Die chinesische E-Commerce-Gruppe Alibaba hat mit ihrem Börsendebüt mehr Geld eingesammelt als je ein Konzern zuvor. Trotzdem stieg der Kurs am ersten Handelstag von 68 Dollar noch weiter an, bis auf fast 100 Dollar.

Die deutschen Privatanleger gingen allerdings komplett leer aus, obwohl Aktien im Wert von rund 25 Milliarden US-Dollar zur Verfügung standen. Das erinnert an den Facebook-IPO. 2012 kam die Aktie des sozialen Netzwerks zum Preis von 38 Dollar an die Börse.

16 Milliarden Dollar spülte die Emission dem Konzern in die Kasse. Doch die Papiere gingen gleich nach dem Börsendebüt in den Sinkflug über und verloren in den ersten Monaten fast die Hälfte ihres Wertes. Inzwischen hat sich der Kurs allerdings mehr als verdoppelt. Auch die eingangs erwähnten Zalando und Rocket Internet waren nach kurzer Zeit mehrfach überzeichnet, und die Taxen im außerbörslichen Handel deuteten zunächst auf beträchtliche  Zeichnungsgewinne wie in „guten alten Zeiten“ hin.

Leider hielt diese Begeisterung nicht an, und die Kurse an den ersten Handelstagen purzelten unter den Ausgabepreis. Doch wie soll sich der Privatanleger angesichts dieser Situation jetzt positionieren?

Hohe Umsätze werden teuer erkauft

Die meisten neuen Internet-Gesellschaften haben bisher nicht bewiesen, dass sie Gewinne erwirtschaften können. Zwar sorgen sie mit stürmischer Werbung für viel Aufmerksamkeit.

Das lässt allerdings nur die Umsätze hochschnellen. Dies und die Hoffnung, dass sich die teils sehr ehrgeizigen Prognosen erfüllen, lassen sicher manchen - vorübergehenden - Höhenflug der entsprechenden Aktie zu. Nachhaltige Erfolgsmodelle sehen indes anders aus.

Wer überlegt, sich als Anleger an einer Neuemission zu beteiligen, kann zur Entscheidungsfindung  verschiedene harte Kriterien prüfen: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Dividende, Buchwert, Eigenkapitalquote und Eigenkapitalrendite.

Des Weiteren lohnt ein Blick auf die Verwendung des Verkaufserlöses. Machen die Eigentümer nur „Kasse“ oder soll der Erlös reinvestiert werden?
Ein Hinweis für alle zeichnungswilligen Privatanleger sei noch erlaubt: Seit Jahren ist bei Neuemissionen, wie zuletzt bei Alibaba, immer eine ähnliche Entwicklung zu beobachten.

Handelt es sich um ein Unternehmen, das die Börse überzeugen kann und deutliche Kursgewinne erwarten lässt, so werden die Aktien an institutionelle Investoren verteilt. Die Privatanleger hingegen gehen bei der Zeichnung leer aus.

Bei „freundlicher“ Berücksichtigung von Kleinanlegern ist dagegen das Interesse der Profis meist eher verhalten. Was das für die Kursentwicklung bedeutet, kann sich jeder denken...

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