Verpackter Index

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Indexprodukte im Versicherungsmantel bieten Anlegern die Möglichkeit, zu geringen Kosten renditestark ihre Altersversorgung zu sichern.

Börsennotierte Indexfonds erfreuen sich dank ihrer Transparenz und ihrer geringen Kosten bei Anlegern immer größerer Beliebtheit. Und wenn sich die Investmentwelt für etwas interessiert, ruft das nach einer Weile auch die Versicherungsunternehmen auf den Plan. Abgucken bei Banken und Fondsgesellschaften hat sich bisher für die Assekuranz schließlich gelohnt. Stichwort Fondspolice: Versicherungsunternehmen und Vermittler gehen inzwischen davon aus, dass sie in den nächsten Jahren klassische Altersvorsorgeprodukte wie die kapitalbildende Lebensversicherung abgelöst haben wird. Grund genug, das Geschäft mit neuen, renditestarken Varianten weiter anzufeuern.

Passives Management spart Geld


Die Versicherungsgruppe Condor beispielsweise startete zum Jahreswechsel mit sieben Indexfonds des Anbieters I-Shares in den Markt. Im Rahmen der fondsgebundenen Rentenversicherung Invest-Rente können Anleger neben aktiv gemanagten Fonds nun auch auf börsengehandelte Indexfonds setzen, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), die Indizes wie den Dax, MSCI Welt, Euro Stoxx 50 und Nikkei 225 abbilden.
ETFs bieten die Möglichkeit, von den Entwicklungen der Kapitalmärkte zu profitieren und gleichzeitig Kosten zu sparen. Denn auf ein aktives Management wird bei diesen Produkten verzichtet. Kein Fondsmanager vertieft sich in die Details einer Unternehmensbilanz oder beobachtet akribisch genau Bewegungen am Markt, um Aktien auszuwählen, die eine besonders hohe Rendite versprechen. Es geht schlicht darum, einen bestimmten Index möglichst genau nachzubauen. Da keine Kosten für Marktrecherchen anfallen, sind Indexfonds in der Regel erheblich günstiger als aktiv verwaltete Fonds.
„Die Überlegung, gleich den Index zu kaufen und die Gebühren für das aktive Management zu sparen, liegt nahe“, sagt Mark Ortmann, Gründer und Direktor des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). „Vergleicht man die jährlichen Gebühren, stehen 0,15 Prozent für einen ETF auf den Dax rund 1,5 bis 1,7 Prozent Managementgebühr bei einem gewöhnlichen Aktienfonds gegenüber. Der Fondsmanager muss also rund 1,5 Prozent mehr Rendite erwirtschaften, um mit dem ETF gleichzuziehen“, rechnet Ortmann vor.
Zu den Verwaltungskosten für den Index kommen die Kosten für den Versicherungsmantel hinzu. Bei Condor belaufen sich die Gesamtkosten für eine entsprechende Rentenpolice mit lebenslangen Leistungen auf etwa ein Prozent pro Jahr. „Darin enthalten sind die Kosten der Indexfonds und für den Versicherungsschutz inklusive Abschlusskosten“, erklärt der Chef der Condor  Versicherungsgruppe, Peter Thomas.
Ein Prozent pro Jahr kostet auch die indexfondsgebundene Rentenversicherung von Legal & General. Allerdings setzt der Versicherer dabei nicht auf börsengehandelte Indexfonds von externen Anbietern, sondern übernimmt das passive Fondsmanagement selbst. Den ersten Indexfonds legte Legal & General 1986 in Großbritannien auf. In Deutschland stehen den Versicherten zwei Indexfonds zur Auswahl, demnächst sollen es mehr sein.

Breite Indizes bringen mehr


Zurzeit bildet der britische Versicherer den globalen Aktienindex FTSE World und den Euroraum-Aktienindex FTSE World Eurobloc möglichst genau nach. „Aus unserer Sicht kommt das Prinzip des Indextrackings nur dann voll zu Geltung, wenn man sehr breit aufgestellte Indizes verwendet“, sagt Norbert Ras, Geschäftsführer von Legal & General. Der FTSE-Welt-Index enthält über 2.400 Wertpapiere, der europäische Index rund 300 Titel. „Solche Indizes sind breit genug, um die Schwankungen einzelner Wertpapiere auszugleichen“, so Ras.
Risiken gibt es aber trotzdem. Die Indexfonds-Police von Legal & General bietet keine Sicherheiten wie die Garantie der eingezahlten Beiträge. Die Auszahlung richtet sich zum Zeitpunkt der Verrentung nach Fondsguthaben, Lebenserwartung und Zinsniveau. Ras: „Garantien gehen schließlich immer zulasten der Renditechance. Wenn die Indizes über Jahrzehnte sinken, würden Anleger Verluste machen. Aber das ist unwahrscheinlich.“
Trotz der geringen Kosten und hoher Transparenz ist ein Indexfonds aber nicht immer die richtige Wahl. Denn in exotischeren Märkten lasse sich durch ein aktives Management oft mehr herausholen, ist Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH), überzeugt: „Indexfonds bieten sich in etablierten Märkten an, denn hier gibt es keine nennenswerten Informationsvorsprünge mehr.“ In jüngeren und unausgereifteren Märkten könnte ein Fondsmanager durch eine geschickte Auswahl der Aktien den Vergleichs­index übertreffen.
Interessant findet Rauch daher eine Verbindung beider Anlagestrategien: Seit einem Jahr bietet der VDH eine Fondspolice an, bei der der Kunde sich aus 48 ETFs und elf aktiv gemanagten Fonds ein eigenes Portfolio zusammenstellen kann. Bisher wurden 500 Policen verkauft. Dabei setzen viele Kunden auf einen passiv gemanagten Kern, das heißt, rund 60
bis 70 Prozent des Portfolios bestehen aus ETFs, die etwa den Stoxx 600 abbilden. Den Rest investieren die Versicherten in aussichtsreiche, aktiv ge­managte „Satelliten“, wie Fonds mit Schwellenländeraktien.
Die Police mit einer Mindestlaufzeit von zwölf Jahren ist für einen monatlichen Beitrag ab 100 Euro zu haben, in einen einzelnen Fonds müssen mindestens 20 Euro fließen. Dabei lassen sich die Fonds jederzeit kostenfrei gegeneinander austauschen.
Wer über eine Police an der Wertentwicklung von Indizes partizipieren will, muss sein Geld aber nicht unbedingt in Fonds stecken. Allianz Leben bietet seit Juli 2007 im Rahmen einer Rentenversicherung gegen laufenden Beitrag ein Zertifikat an, über das Kunden an der Wertentwicklung des Euroraum-Index Euro Stoxx 50 teilhaben können. Dabei errechnet sich die Rendite auf das investierte Kapital aus den monatlichen Gewinnen und Verlusten des Index. Diese werden zu einem Jahresergebnis addiert. Ist das Ergebnis positiv, wird es festgeschrieben (sogenanntes Lock-in-Prinzip), der Jahresgewinn kann nicht mehr verloren gehen. Nach einem schlechten Börsenjahr wird das Ergebnis auf null gesetzt. Der Kunde kann so also keine Verluste erleiden. Jedes Jahr kann er zudem neu entscheiden, ob er weiter am Aktienindex teilhaben oder lieber auf die sicherere Verzinsung der Allianz zurückgreifen will.
Wie so oft verursacht Sicherheit aber Kosten. So kann der Versicherte  nur bis zu einer bestimmten Grenze an Kursgewinnen partizipieren. Diesen sogenannten Cap legt die Allianz jedes Jahr neu fest. Die Höhe hängt von den Schwankungen der Kapitalmärkte, der aktuellen Gesamtverzinsung der Allianz und der Dividendenrendite ab. Liegt der Cap also bei 4 Prozent, und der Index erzielt eine Monatsrendite von 6 Prozent, gehen nur die 4 Prozent in die Berechnung des Jahresbetrags mit ein.

Auf versteckte Kosten achten


Wichtiger sei es aber, auf versteckte Kosten zu achten, betont ITA-Direktor Ortmann: „Werden Kursindizes als Grundlage für ein Indexprodukt genommen, entgehen dem Versicherungskunden die Dividendenzahlungen der im Index vertretenen Unternehmen. Beim Euro Stoxx 50 machen Dividendenerträge zum Beispiel jährlich rund 3 Prozent der Rendite aus“, sagt Ortmann. Anders als beim Allianz-Zertifikat gibt es diesen Nachteil bei den ETFs und den Indexfonds nicht. Hier fließen die Dividenden direkt dem Vertragsguthaben des Kunden zu. Kurzfristig mag der Divididendenverlust zu verschmerzen sein. Versicherungsprodukte für die Rente sind aber alles andere als kurzfristige Investments.

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