Verrückt oder geniale Idee? Wann kommt der erste Bargeld-ETF?

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Vorteil von Staatsanleihen gegenüber Bargeld

Aus welchem Grund sollten sich Anleger, angesichts höherer Erträge und einer niedrigeren Volatilität bei Bargeld, für den Kauf einer Anleihe mit negativer Rendite entscheiden? Ein Vorteil von Staatsanleihen gegenüber Bargeld ist die Sicherheit. Man kann sie nicht so leicht verlieren, stehlen oder zerstören. Außerdem entstehen aufgrund der materiellen Beschaffenheit von Bargeld höhere Kosten für das Halten.

Das Risiko kann eliminiert werden, indem man Bargeld sicher, üblicherweise in einem Tresor, aufbewahrt. Wenn also die Kosten für das Halten von Bargeld genauso hoch sind wie die negative Rendite, die die Anleihe aufweist, wäre es dem Bargeldhalter letztlich egal. Nehmen wir an, dass die Kosten bei etwa einem Prozent liegen. In dem Fall zeigt die unten dargestellte Grafik, dass Anleger bereit wären, eine Anleihe mit einer Rendite von weniger als Null, trotz des möglichen Risikos eines Kapitalverlusts, bis zur Fälligkeit zu halten.

Ertragsprofil für zehnjährige Bundesanleihen bei unterschiedlichen Renditen:

Quelle: M&G, Bloomberg, 2. September 2016

Märkte sind dynamisch, und die Marktstrukturen werden sich wahrscheinlich weiterentwickeln und interessantere Möglichkeiten zur Aufbewahrung von Bargeld hervorbringen, sollte dieses Umfeld der negativen Renditen weiter anhalten. Eine Lösung könnte sein, dass eine Bank einen ETF basierend auf Barmitteln mit negativer Rendite emittiert, ähnlich anderer physischer ETFs. Im Gegensatz zu den Sicherheiten für Rohstoffe oder Aktien würde für den ETF an mehreren schwer zugänglichen Orten mit hoher Sicherheitsstufe Bargeld sicher aufbewahrt werden.

Gebühr für das Verwahren von Bargeld

Der ETF-Anbieter könnte dem Kunden dann eine Gebühr für das Verwahren des Bargelds berechnen (nehmen wir 1 Prozent pro Jahr an). Davon müsste er niedrige Lagerkosten in Höhe von angenommen 0,5 Prozent bezahlen und hätte somit einen Gewinn von 50 Basispunkten. Im Rahmen eines solchen ETFs wären sowohl kleine als auch große Transaktionen möglich und Kunden, egal ob Privatkunde oder Institutionen, könnten ihr Geld effizient zum Nullzins vor Gebühren lagern.

Das Aufwärtspotenzial von Anleihen ist theoretisch durch die physische Bargeldalternative begrenzt, wodurch das Verhältnis von Risiko zu Ertrag bei einer Anleihe nicht ausgeglichen ist. Unter der Nulllinie ist das Aufwärtspotenzial begrenzt, die möglichen Verluste können allerdings immer noch schmerzhaft sein.