Jugendliche vor dem Reichstagsgebäude: Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission empfiehlt in ihrem heute vorgelegten Abschlussbericht, dass das Rentenniveau ab dem Jahr 2025 zwischen 44 und 49 Prozent betragen soll. Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung solle demnach zwischen 20 und 24 Prozent liegen. Zu einer neuen Altersgrenze legten sich die Experten jedoch nicht fest. | © Federico Orlandi Foto: Federico Orlandi

Versicherer loben Rentenkommission

„Richtige Impulse für einfachere und bessere Riester-Rente“

„Die Initiative der Rentenkommission für eine umfassende Reform der ergänzenden Alterssicherung ist erfreulich“, kommentiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den heute vorgestellten Abschlussbericht der Rentenkommission. „Sie gibt die richtigen Impulse zur Vereinfachung und Verbesserung der Riester-Rente. Dazu zählt auch die Lockerung der Beitragsgarantie sowie die Entwicklung neuer Produktstandards für private Angebote.“

„Nun kommt es darauf an, die notwendigen Reformen innerhalb des bewährten Systems so schnell wie möglich anzugehen“, fordert der Branchenverband. Konkrete Vorschläge hierzu veröffentlichten die Versicherer zusammen mit den Interessenverbänden der Fondsgesellschaften und Bausparkassen bereits im November vorigen Jahres in einem gemeinsamen Fünf-Punkte-Plan.

„Auch die Einführung einer säulenübergreifenden Informationsplattform ist richtig“, heißt es vom GDV weiter. „Bedauerlich ist hingegen, dass die Rentenkommission kein kraftvolles Signal für eine nachhaltige Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung gegeben hat. Aus unserer Sicht fehlt insbesondere eine Perspektive, wie die auf Dauer notwendige Anhebung des Renteneintrittsalters gelingen kann.“

„Unverständliche Vorschläge der Rentenkommission“

Eine gemischtes Urteil zu den Vorschlägen der Rentenkommission der Bundesregierung fällt auch der Verband der Privaten Bausparkassen. Dass die private Altersvorsorge attraktiver gemacht werden soll, unterstütze man zwar: „Die Forderung, die staatliche Förderung in diesem Bereich zu verbessern, wird von den deutschen Bausparkassen geteilt.“ Doch: „Nicht nachvollziehbar ist, dass die überragende Bedeutung des Wohneigentums für die Altersvorsorge im Bericht nicht angemessen gewürdigt wird.“

„Völlig unverständlich ist den Bausparkassen die Idee einer staatlichen Online-Plattform für Produkte ohne Vertriebskosten“, heißt es von dem Verband weiter. Denn: „Solche Produkte dürften die Bausparkassen schon aus aufsichtsrechtlichen Gründen überhaupt nicht anbieten.“ Stattdessen fordern sie: „Die Eigenheimrente muss in jedem Fall eine gleichwertige Alternative zu einer privaten Geldrente bleiben.“ Und weiter: „Vonnöten ist eine Reform von Riester – nicht dessen Abschaffung.“

„Rentenkommission für Verbraucher enttäuschend“

Klaus Müller, VZBV
Klaus Müller, VZBV

Kritischer gegenüber den bisherigen Instrumenten der Rentenpolitik äußert sich aktuell Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV): „Die Ergebnisse der Rentenkommission sind enttäuschend.“ Aufgrund der „schlechten Erfahrungen mit der Qualität heutiger Riester-Produkte brauchen wir nicht alten Wein in neuen Schläuchen, sondern einen mutigen Neustart.“ Er fordert daher ein Ende der „Subventionen der Finanz- und Versicherungswirtschaft, die beim gegenwärtigen Riester-System ordentlich profitieren.“

Die „Kosten-Problematik bei Riester“, benenne zwar auch die Kommission. Die von ihr vorgeschlagene Plattform für provisionsfreie Produkte werde Riestern „für Verbraucher nicht wesentlich günstiger machen“, erwartet Müller. „Nötig wäre stattdessen ein einfaches, kostengünstiges Basisprodukt, das eine Vorsorge auf Aktienbasis ermöglicht“, wiederholt er den VZBV-Vorschlag der sogenannten Extrarente. „Meine Erwartung an die Bundesregierung ist, mehr Mut und Weitsicht aufzubringen als die Rentenkommission.“

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