Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat ein standardisiertes Basisprodukt für die betriebliche Altersversorgung (bAV) vorgeschlagen. Hintergrund ist eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Verbands, der zufolge zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland großen politischen Handlungsbedarf bei der bAV sehen.

Hemmnisse auf der Angebotsseite

Knapp 68 Prozent der befragten Personalentscheider gaben an, dass ihr Unternehmen bereits eine bAV anbietet. Am Interesse der Beschäftigten mangele es laut Umfrage nicht – nur gut 11 Prozent der Unternehmen nennen dies als Hemmnis. Die größten Barrieren liegen demnach auf der Angebotsseite: Hoher Aufwand (39 Prozent), Rechtsunsicherheit (38 Prozent) und zu komplexe gesetzliche Regelungen (36 Prozent) sind die meistgenannten Hindernisse.

Für 42 Prozent der Unternehmen hat das Arbeitgeberhaftungsrisiko dabei eine hohe oder sehr hohe Bedeutung. 59 Prozent der Befragten wünschen sich mehr steuerliche Anreize, 47 Prozent einfachere Regelungen.

GDV

„Gerade kleinere Unternehmen brauchen einfache und rechtssichere Lösungen, die ohne viel Aufwand funktionieren. Politik und Rentenkommission sollten diesen Bedarf ernst nehmen“, sagt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV. Fast 60 Prozent der Unternehmen erwarteten, dass die bAV in den kommenden Jahren wichtiger werde – sie erreiche heute aber noch zu wenige Beschäftigte.

Standardisiertes Basisprodukt als Direktversicherung

Um die Verbreitung der bAV zu erhöhen, spricht sich der GDV für mehr Verbindlichkeit aus. Beschäftigte sollten künftig leichter automatisch einbezogen werden können, etwa über ein Opt-out-Modell auf Betriebsebene. Als Umsetzungsinstrument schlagen die Versicherer ein stark standardisiertes Basisprodukt vor, das als Direktversicherung konzipiert ist und auf bestehenden Systemen aufbaut. Es soll weder tarifliche Lösungen noch weitergehende betriebliche Angebote ersetzen.

Das Produkt soll sich auf wenige Kernelemente konzentrieren: einfacher Zugang, klare Wahlmöglichkeiten, transparenter Ansparprozess und lebenslange Auszahlung im Rentenalter. Administrative Vorgänge wie Beitragseinzug, Datenaustausch oder Versicherungsnehmerwechsel sollen über eine neu einzurichtende zentrale Clearingstelle der Versicherungswirtschaft abgewickelt werden.

Kernelement des Produkts ist nach Idee des GDV eine Kapitalgarantie in Höhe von 80 Prozent der eingezahlten Beiträge in der Ansparphase. Das schaffe Sicherheit für Beschäftigte und lasse zugleich Spielraum für Kapitalmarktteilhabe. Bei einem Arbeitgeberwechsel soll der Vertrag kostenfrei übertragen werden können. Für Arbeitgeber sieht das Konzept eine weitgehende Haftungsbefreiung vor; arbeitsrechtliche Restrisiken sollen von der Branche kollektiv abgefedert werden.

„Für kleine Betriebe muss die Betriebsrente so einfach wie möglich werden. Einfach den Beitrag zahlen, den Rest übernimmt der Standardprozess“, so Schumann.

Breites Lager fordert mehr Verbindlichkeit

Der GDV steht mit seinem Plädoyer für mehr Verbindlichkeit nicht allein. Seit Frühjahr 2026 mehren sich die Stimmen, die eine bAV-Pflicht oder zumindest ein Auto-Enrolment fordern.

Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) hatte sich bereits im Mai 2026 für eine verpflichtende bAV ausgesprochen. Freiwillige Lösungen seien gescheitert, erklärte der Verband. DAV-Vorstandsvorsitzende Susanna Adelhardt plädierte für ein Auto-Enrolment oder ein generelles Obligatorium, knüpfte die Forderung jedoch an eine klare Bedingung: Arbeitgeber sollten für Verluste aus der kapitalgedeckten Versorgung nicht haften müssen – weder bei Angeboten mit noch ohne Garantien. Bereits bestehende Versorgungszusagen sollen auf ein etwaiges Obligatorium angerechnet werden können. „Wenn das Ziel eine breite und nachhaltige Absicherung des Lebensstandards im Alter ist, braucht es mehr Verbindlichkeit bei der bAV“, so Adelhardt.

Kurz darauf forderte auch DGB-Chefin Yasmin Fahimi eine verpflichtende Betriebsrente für alle Beschäftigten, die von Arbeitgebern mindestens mitfinanziert werden müsse. Der Vorstoß solle die gesetzliche Rente ergänzen, nicht ersetzen. Widerspruch kam von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT): Ihre Bundesvorsitzende Gitta Connemann (CDU) bezeichnete die Pflicht als „neue Belastungen für unsere Betriebe – und das zur Unzeit“ und sprach sich stattdessen für Anreize und Bürokratieabbau aus.

Auch der GDV selbst hatte bereits im April 2026 – gestützt auf ein DIW-Gutachten – eine automatische Einbeziehung aller Beschäftigten mit Opt-out-Möglichkeit gefordert. Als Vorbild nannte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen die Niederlande und Dänemark, wo laut GDV jeweils rund 90 Prozent der Beschäftigten eine Betriebsrente haben. Das nun vorgeschlagene Basisprodukt ist die konkrete produktseitige Antwort auf diese politische Forderung.

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Die Rentenkommission der Bundesregierung soll bis Ende Juni 2026 ihre Ergebnisse vorlegen – darunter auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung der bAV. Die Debatte über mehr Verbindlichkeit dürfte damit in den kommenden Wochen an Fahrt gewinnen.

Branchenzahlen: bAV wächst nur leicht

Die vom GDV vorgelegten Branchenzahlen für 2025 zeigen: Die deutschen Lebensversicherer, Pensionskassen und Pensionsfonds buchten im vergangenen Geschäftsjahr Beiträge von knapp 100 Milliarden Euro – ein Anstieg von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum wurde dabei vor allem vom Einmalbeitragsgeschäft getragen (+17,1 Prozent), während die laufenden Beiträge nahezu stagnierten (+0,1 Prozent). Die bAV wuchs mit gebuchten Bruttobeiträgen von rund 19,5 Milliarden Euro nur um 0,7 Prozent; der Vertragsbestand ging um 1,1 Prozent zurück.

Zur Umfrage

Civey befragte im Auftrag des GDV online 500 Entscheidungsträger mit Verantwortung für Personalthemen.