Unisex-Tarife – wie teuer wird’s?

Anfang März hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass Versicherungen ihre Tarife nicht mehr nach dem Geschlecht differenzieren dürfen. Diese Praxis verstößt nach Ansicht der Richter gegen den Gedanken der Gleichstellung von Männern und Frauen.

Bis zum 21. Dezember 2012 haben die Gesellschaften nun Zeit, ihre Tarife umzustellen. Wie sich das Urteil konkret auswirken wird, hängt sehr stark von der Mischung der Geschlechter im Bestand des Versicherers ab.

Tendenziell wird es für Männer in der Renten- und Krankenversicherung teurer werden, für Frauen günstiger. Oder andersherum: Die Renten für Männer werden eher sinken und die für Frauen eher steigen.

Unisex auch für Bestandskunden?

Als erster Versicherer hat der Volkswohl Bund im Oktober mit der Rente Plus Unisex einen Zwitter-Tarif auf den Markt gebracht, der die Auswirkungen verdeutlicht. So würde ein 30 Jahre alter Mann, der bis zum 67. Lebensjahr monatlich 100 Euro in seinen Vertrag einzahlt, nach alter Rechnung eine garantierte Rente von 207 Euro bekommen. Eine Frau bekäme bei den gleichen Vorgaben nur 194 Euro Rente. Die Unisex-Rente liegt mit 197 Euro nun dazwischen.

Trotzdem sind noch Fragen offen. „Vor allem die ausstehende Klärung, ob Unisex in der Krankenversicherung auch auf Bestandsverträge anzuwenden ist, wird die Branche im neuen Jahr noch beschäftigen“, sagt Rolf Bauer, Vorstandsvorsitzender im Versicherungsbund Die Continentale.

Daneben spiele die Einschätzung weicher Faktoren eine Rolle. „Krankenversicherungstarife, die Heilpraktikerleistungen enthalten, werden beispielsweise stärker von Frauen nachgefragt“, sagt Michael Franke. „Solche Faktoren müssen angemessen berücksichtigt werden, um eine tragfähige Kalkulation zu erhalten“, so der Geschäftsführer von Franke und Bornberg weiter.

Solvency II und die Folgen für Garantieprodukte

2012 werden sich die Versicherungen auch mit der neuen EU-Richtlinie Solvency II auseinandersetzen müssen. Die neuen Eigenkapitalrichtlinien treten 2013 in Kraft und sorgen derzeit noch für Missstimmung in der Branche.

Künftig müssen Versicherungen umso mehr Eigenkapital vorhalten, je höhere Risiken sie eingehen. Dabei gelten auch langfristige und selbst gegebene Garantien als Risiko. Sie werden entsprechende Produkte für die Gesellschaften teurer machen. „Da Garantien teuer sind, werden Produkte auf den Markt kommen, die eingeschränkte Garantien bieten“, sagt Mark Ortmann, Gründer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA).

Warum brauche man zum Beispiel zu jedem Zeitpunkt ein garantiertes Guthaben und garantierte Renten? Eine sinnvollere Alternative sei es, nur zu bestimmten Stichtagen Leistungen zu garantieren. Ortmann: „Oder es wird nur ein bestimmtes Kapitalanlagemodell vereinbart, das auf eine stabile Wertentwicklung festgelegt ist.“

Solvency II wird auch dazu führen, dass die Versicherungen die Garantien auslagern. Das wird fondsgebundenen Versicherungen Auftrieb geben, bei denen die Gesellschaften die Anlageentscheidung an die Kunden und die Garantiedarstellung zum Teil an Fondsgesellschaften abgeben.