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Branchentrends „Versicherer sind beim Thema Nachhaltigkeit zu zögerlich“

Provisorische Brücke über die Ahr sechs Monate nach der Juli-Flut
Provisorische Brücke über die Ahr sechs Monate nach der Juli-Flut: Laut dem Beratungshaus MSK unterschätzten die Rechenmodelle vieler Versicherer mögliche Schäden durch Hochwasser. Die Naturkatastrophe gilt als Beispiel für drohende Folgen des Klimawandels. | Foto: Imago Images / Future Image

„Mit nachhaltigen Versicherungsprodukten entsteht ein neuer Markt“, ist sich Florian Bohl sicher. Der studierte Mathematiker ist aktuarieller Berater bei Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Das Kölner Unternehmen berät Versicherer bei strategischen Entscheidungen und operativen Prozessen im Bereich der Schaden- und Unfall-Policen. Deren Anbieter hierzulande müssen sich seiner Ansicht nach insbesondere der Herausforderung stellen, ihre nachhaltigen Produkte einem breiten Publikum bekanntzumachen. Dabei gelte es zugleich, glaubwürdig aufzutreten. Anderenfalls bestehe das Risiko, dem Verdacht des sogenannten Greenwashings ausgesetzt zu sein.

Florian Bohl, MSK

Bisher herrschte bei den Versicherern auch deshalb eine große Unsicherheit über das Potenzial von nachhaltigen Policen, weil es keine klaren und einheitlichen Regeln für diese Produkte gab. Das soll sich künftig aber mit der Taxonomieverordnung aus Brüssel ändern. Von den drei Nachhaltigkeitsaspekten Environmental, Social, Governance (ESG, Deutsch: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) behandele sie aber lediglich das erstgenannte Thema Ökologie. Hierzu gibt es sechs Umweltziele, zu denen unter anderem der Schutz der Biodiversität oder der globalen Meer- und Wasserressourcen zählt. Daneben geht es insbesondere um die Anpassung an den sich abzeichnenden Klimawandel.

Hierbei stünde die Assekuranz laut MSK-Berater Bohl vor der Aufgabe, eine „Führungsrolle bei der Modellierung und Bepreisung von Klimarisiken“ einzunehmen. Ihre „Versicherungstätigkeit stützt sich auf modernste Modellierungstechniken, die erstens die Risiken des Klimawandels angemessen widerspiegeln, zweitens nicht nur auf historischen Trends beruhen und drittens zukunftsorientierte Szenarien umfassen.“ Gegenüber dem Versicherungsnehmer müssten die Anbieter Anreize setzen, seine Risiken im Bezug auf Klimarisiken und Naturkatastrophen zu vermindern. Konkrete Schritte dazu seien Tipps zur Prävention von Schäden und Boni für das Umsetzen entsprechender Schutzmaßnahmen.

Fokus auf Nachhaltigkeit bei Versicherungen

Bei den Kunden dürften die Anbieter solcher Offerten durchaus Erfolg haben, zitiert Bohl eine Mitte vorigen Jahres veröffentlichte Studie des Analysehauses Heute und Morgen. Demnach achten zwar lediglich 10 Prozent der deutschen Verbraucher bereits heute aktiv auf Nachhaltigkeit bei Versicherungen. Doch 10 Prozent der Befragten könnten sich vorstellen, in Zukunft gezielt nachhaltige Versicherungsprodukte abzuschließen. Am konkreten Beispiel einer nachhaltigen Wohngebäudeversicherung äußerten 42 Prozent ihre Wechselbereitschaft bei sonst gleichen Konditionen. Allerdings herrscht bei den potenziellen Kunden großes Unwissen darüber, welche Gesellschaft hierzulande eine nachhaltige Wohngebäudeversicherung anbietet.

Hierzu führt Bohl die Anbieter Ergo, Concordia und Greensurance an, die zum Beispiel Mehrleistungen für Anpassungen an Folgen des Klimawandels bieten. Einen echten Mehrwert für den Versicherten und die Umwelt bieten hingegen Mehrleistungen für ressourcenschonende Reparaturen beziehungsweise den Ersatz defekter Geräte durch neue mit Nachhaltigkeitssiegeln. Ein Spezialfall ist ein Bonus in der Kfz-Versicherung beim Umstieg von einem Verbrenner auf ein Elektroauto. Einen Rabatt für Elektroautos bei der Kfz-Police sei hingegen „erstrebenswert und sinnvoll im Rahmen der Taxonomie für die Ziele der Anreizwirkung und Produktgestaltung.“