Karen Schmidt (Chefredakteurin)Lesedauer: 9 Minuten

Versicherungen Pflegeversicherung: Alles auf Anfang

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Absicherung für den Pflegefall

Kann man die Absicherung für den Pflegefall damit aber nun getrost abhaken und sich ganz auf den Staat verlassen? „Die Frage muss man wohl mit Nein beantworten“, sagt Vertriebsvorstand Bussert. „Die Politik selbst weist darauf hin, dass mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz die Finanzierung der Pflege in Deutschland nur bis zum Jahr 2022 gesichert ist.“

Man könne gespannt sein, mit welchen Lösungen die Politik dann aufwarten werde, meint Bussert weiter, denn ab Mitte der 2020er Jahre würden die geburtenstarken Jahrgänge damit beginnen, in den Ruhestand zu wechseln. Und das wird wohl nicht nur Druck auf das Rentensystem hierzulande ausüben.

Das Fazit daraus ist für jeden Kunden daher klar: „Zusätzliche Vorsorge für die Pflege ist für viele Menschen unerlässlich, wenn man im Fall der Fälle nicht vom Sozialamt oder den Kindern abhängig sein will“, sagt Ralf Kantak, Vorstandsvorsitzender der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK). „Und dabei sind zukünftige Kostensteigerungen noch gar nicht berücksichtigt.

Thema mit riesigem Potenzial

Das Problem dabei: Pflege ist zwar aus Sicht der Versicherungen und des Vertriebs ein Thema mit riesigem Potenzial – beim Bundesbürger indes ist es noch nicht richtig angekommen. So haben 51 Prozent der Deutschen keine Ahnung, wie sich das System der gesetzlichen Pflege hierzulande zum Jahreswechsel verändert hat. Weitere 38 Prozent haben immerhin vom zweiten Pflegestärkungsgesetz schon mal gehört oder gelesen. Tief gehend damit befasst hat sich aber nur rund jeder Zehnte, wie eine Umfrage der Techniker Krankenkasse zeigt.

Und nicht nur beim Wissen, auch bei der eigenen Vorsorge für den Pflegefall hapert es noch. Vier von zehn Befragten haben sich zum Thema Pflegeversicherung in eigener Sache noch keinerlei Gedanken gemacht. Und zwei Drittel der Befragten geben an, nicht ausreichend für den Pflegefall vorgesorgt zu haben.

„Wir haben die Aufgabe, den Menschen zu verdeutlichen, welch großes finanzielles Risiko mit der Pflegebedürftigkeit ein-hergeht“, sagt Wiltrud Pekarek. „Es wäre fatal, wenn der Eindruck entstünde, dass diese Reform mehr wäre als eine inhaltlich sinnvolle Neujustierung der Bedarfsermittlung“, so das Vorstandsmitglied der Halleschen Krankenversicherung weiter.

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