Versicherungsexperte

„Dann müssen Lebensversicherer das Neugeschäft einstellen“

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Die Versicherungsbranche verfügt derzeit um genügend Bewertungsreserven, um ihre Garantieversprechungen mindestens fünf Jahre im Voraus bedienen zu können. Das rechnete Christoph Schmitt, Versicherungsexperte von der Ratingagentur Fitch aus. Hält der Niedrigzinsumfeld an, stehen den Gesellschaften danach große Probleme bevor.

Die immensen Kapitalanforderungen durch die Richtlinie Solvency II stellen Deutschland „vor  außerordentlich große Herausforderungen im europäischen Vergleich“, erklärt der Versicherungsexperte im Interview mit dem Handelsblatt. Denn bei anhaltend niedrigen Zinsen sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Ertrag aus der Kapitalanlage geringer ausfällt als die zur Bedienung des Garantiezinses benötigten Mittel. Hält dieser Zustand länger an, werden die Sicherheitsmittel nach und nach aufgebraucht. „Der Lebensversicherer kann dann die für den Geschäftsbetrieb notwendige Solvenz nicht mehr darstellen und muss das Neugeschäft einstellen“.

Und was ist mit Protektor, dem Sicherheitsmechanismus, der in Schieflage geratene Gesellschaften retten soll? Protektor könne sicherlich auch große Versicherer auffangen, meint Schmitt. „Weil Protektor aber von der Branche selbst finanziert wird, ist davon auszugehen, dass dessen Kapazität nach einer Vielzahl von Auffanglösungen an seine Grenzen stoßen würde.“

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