Versicherungsmarkt: Fünf brennende Fragen zum Umbruch

Carsten Zielke von der Société Générale geht davon aus, dass <br> es in fünf Jahren nur noch 70 Versicherungsunternehmen gibt.

Carsten Zielke von der Société Générale geht davon aus, dass
es in fünf Jahren nur noch 70 Versicherungsunternehmen gibt.

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Das Jahr 2010 macht den Anfang: Gleich für sechs Lebensversicherer ist Schluss, sie stellen den Verkauf neuer Policen ein und wickeln das bestehende Geschäft ab. Darunter durchaus bekannte Marken wie Victoria und Bayerische Beamten Lebensversicherer. Auch Delta Lloyd gibt auf, ebenso wie der Lebensversicherer Aspecta aus der HDI-Gerling- Gruppe (siehe Hintergrundinformationen).

Die oft vorausgesagte Konsolidierung in der deutschen Versicherungsbranche – es gibt hierzulande rund 100 Lebensversicherungen – kommt ins Rollen. Doch wo liegen die Ursachen, und was passiert bei einer Fusion oder Übernahme mit den Beständen der Gesellschaften? Und wie wirkt sich die Marktkonzentration auf den Vertrieb aus? DAS INVESTMENT hat wichtige Fragen und Antworten zusammengetragen.

Weshalb kommt es jetzt verstärkt zur Marktkonzentration?

Das hat mehrere Gründe. Einer ist das seit Jahren sinkende und inzwischen sehr niedrige Zinsniveau an den Kapitalmärkten. Lebensversicherer sind per Gesetz verpflichtet, den Großteil ihres Kapitals in festverzinslichen Wertpapieren anzulegen. Bringen die nur wenig Rendite, wird es auf Dauer für die Anbieter schwer, ihren Kunden ordentliche Renditen auf die Sparbeiträge gutzuschreiben.

Im Wettbewerb mit anderen Anlageformen wie Investmentfonds, aber auch innerhalb der Branche ziehen im klassischen Lebensversicherungsgeschäft schlecht aufgestellte Versicherungen dabei den Kürzeren. Sie schreiben weniger Neugeschäft. Die Kapitaldecke wird dünner, dadurch können diese Anbieter immer seltener renditeträchtigere Anlagen wie Aktien kaufen. „Die Verzinsung sinkt, die Gewinnmarge ebenso, die Risiken nehmen zu und irgendwann könnten die Gesellschaften in diesem Geschäftszweig nicht mehr konkurrenzfähig sein, sodass sie gegebenenfalls das Neugeschäft einstellen“, so Reiner Will, Geschäftsführer der Rating-Agentur Assekurata.

Hinzu kommen hohe Kosten für den Vertrieb, sinkende Bestandszahlen und Beitragseinnahmen, da sich die Kunden mit dem Abschluss langfristiger Verträge derzeit zurückhalten. Ein Beispiel für diese Probleme ist die Victoria Versicherung aus dem Ergo-Konzern, die 2010 das Neugeschäft einstellte. Seitens Ergo heißt es zwar, dabei sei es vor allem um das Bündeln von Marken gegangen.

Allerdings litt die Victoria unter anderem auch unter sinkenden Beständen. „Das Problem bei so einem Bestandsabrieb ist, dass gleichbleibende hohe Kosten von immer weniger Verträgen gedeckt werden müssen. Das geht nur eine gewisse Zeit lang gut“, sagt Thomas Leithoff, Rechtsanwalt und lange Jahre Mitarbeiter in verschiedenen Versicherungskonzernen. Dieses Missverhältnis wirkt sich auch auf die Kapitalanlage aus. So hat die Victoria ihren Kunden zuletzt nur rund 3,6 Prozent Zinsen gutschreiben können – der Branchenschnitt liegt aber bei 4,1 Prozent.